Telekom : Rickes Rücktritt beflügelt T-Aktie

Die Erleichterung über den offiziellen Rücktritt von Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke am Sonntagabend spiegelt sich auch im Kurs der T-Aktie wider. Das Papier schoss an der Börse nach oben.

Berlin/Frankfurt/Main - An der Frankfurter Börse kletterte die T-Aktie um 3,2 Prozent auf 13,56 Euro und stand damit an der Spitze des Deutschen Aktienindex' (Dax). Am Vorabend hatte der Aufsichtsrat Rickes Ablösung bekanntgegeben. Die Deutsche Telekom AG teilte mit, das Präsidium des Aufsichtsrates und Ricke hätten sich einvernehmlich über sein Ausscheiden aus dem Unternehmen verständigt. Der Aufsichtsrat wollte sich demnach am Montag mit Rickes Nachfolge beschäftigen; ein Telekom-Sprecher wollte sich zur Nachfolge zunächst nicht äußern. Laut "Spiegel Online" und "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" soll T-Mobile-Chef René Obermann mit sofortiger Wirkung Rickes Nachfolge übernehmen.

Ricke war wiederholt kritisiert worden, weil er einerseits massiv Personal abbaute, zugleich der Telekom aber weiter die Kunden wegliefen und der Aktienkurs seit vier Jahren nicht mehr nachhaltig stieg. Erst am Donnerstag hatte die Deutsche Telekom mitgeteilt, dass sie auch im dritten Quartal weniger verdient hatte als im Vorjahr und mit einem milliardenschweren Sparprogramm gegensteuern will. Der Nettogewinn sank zwischen Juli und September um 34 Prozent auf 980 Millionen Euro, wie das Unternehmen mitteilte. Noch kurz vor der Ankündigung der Telekom hatten mehrere Aufsichtsratsmitglieder noch Berichte über einen bevorstehenden Führungswechsel dementiert.

Obermann steht bereit

Laut "Spiegel Online" erklärte sich Obermann in einem Gespräch am Samstagabend mit dem Telekom-Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Zumwinkel bereit, die Führung des Konzerns zu übernehmen. Der Führungswechsel ist demnach mit den beiden Großaktionären der Telekom, dem Bund und dem Finanzinvestor Blackstone, abgestimmt. Besonders Blackstone hatte in der Vergangenheit mehrfach die Amtsführung Rickes kritisiert.

Auch die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" berichtete unter Berufung auf Eigentümerkreise, die Entscheidung sei für Obermann gefallen. "Bis zum Weihnachtsgeschäft braucht der Konzern eine klare Führung", zitierte das Blatt die Befragten. Obermann hatte sich in der Vergangenheit mehrfach klar zu Ricke bekannt. Wenn ihn der Aufsichtsrat jedoch bitte, dessen Position zu übernehmen, werde er nicht nein sagen, hatte der bisherige T-Mobile-Chef der Zeitung zufolge hinzugefügt.

Gigantische Schulden

Ricke hatte seinen Chefposten vor fast genau vier Jahren, Mitte November 2002, angetreten. Dabei hatte er von seinem Vorgänger Ron Sommer einen gigantischen Schuldenberg übernommen und deswegen einen harten Sanierungskurs eingeschlagen. Zuletzt hatte Ricke versucht, mit neuen Pauschaltarifen verlorene Kunden zurückzugewinnen.

Noch am Wochenende forderte Ricke zudem im Magazin "Focus" die Mitarbeiter von Call-Centern und Kundendienst auf, einer drastischen Anhebung der Wochenarbeitszeit von 34 auf 38 Stunden zuzustimmen. Damit solle ein Stellenabbau vermieden werden. Allerdings müssten die etwa 45.000 Betroffenen einen Wechsel von der T-Com zu schlechteren Konditionen in die neue Tochtergesellschaft T-Service und eine Call-Center-Gesellschaft akzeptieren. (tso/AFP)

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