Wirtschaft : Telekom schafft die Wende

Früher als erwartet hat der Konzern seine Ziele für 2003 erreicht/ Kein Interesse an der Übernahme von AOL

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Berlin (vis). Die Deutsche Telekom hat ihre Ziele für 2003 bereits nach neun Monaten erreichen. Der Vorstand korrigierte seine Jahresprognose deshalb am Donnerstag nach oben. Die Schulden sind bis Ende September auf 49,2 Milliarden Euro gesunken, der Konzernüberschuss kletterte auf 1,6 Milliarden Euro. Damit übertraf die Telekom auch die Erwartungen der Analysten. Die Wende sei geschafft, sagte Konzernchef KaiUwe Ricke. „Wir haben den Konzern einer wahren Rosskur unterzogen – aber das hat uns gut getan.“ Eine Dividende will der Konzern dennoch erst wieder für das Jahr 2004 zahlen.

Die Telekom trete nun in eine neue Phase der Entwicklung ein, jetzt stehe ausschließlich „das profitable Wachstum im Vordergrund“, sagte Ricke bei der Vorlage der Zahlen für das dritte Quartal in Bonn. Er dementierte einen Bericht, wonach die Telekom- Tochter T-Online eine Übernahme des US- Konkurrenten AOL in Betracht ziehe. „An der Geschichte ist nichts dran“, sagte er.

Der 42-Jährige Ricke steht seit dem 15. November 2002 an der Spitze des Konzerns und verfolgte einen strikten Sparkurs. Ergebnis: Die Telekom hat ihre Schulden seither um 15 Milliarden Euro reduziert – unter den geplanten Wert zwischen 49,5 Milliarden und 52,3 Milliarden Euro. Daneben schreibt der Konzern seit drei Quartalen wieder schwarze Zahlen. Allein von Juli bis September lag der Überschuss bei 508 Millionen Euro – deutlich höher als von Analysten erwartet. Im dritten Quartal des Vorjahres hatte die Telekom wegen hoher Sonderabschreibungen noch einen Verlust in der Rekordhöhe von 20,6 Milliarden Euro ausgewiesen. Aktuell gebe es keinen Abschreibungsbedarf bei der Telekom mehr, sagte Finanzchef Karl-Gerhard Eick am Donnerstag.

In den ersten neun Monaten setzte die Telekom 41,3 Milliarden Euro um – 5,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Allein im dritten Quartal lag der Umsatz bei 14,1 Milliarden Euro nach 13,4 Milliarden im Vorjahr. Dabei konnten Umsatzrückgänge im Inland durch Zuwächse im Ausland mehr als ausgeglichen werden. Das Festnetzgeschäft (T-Com) bleibt Umsatz- und Ergebnisträger, Wachstum bringt die Mobilfunksparte T-Mobile.

Für 2003 kündigte Finanzchef Eick ein operatives Ergebnis von 18,2 Milliarden Euro im Konzern an. Bislang hatte er von 17,2 Milliarden bis 17,7 Milliarden Euro gesprochen. Für das kommende Geschäftsjahr prognostizierte er einen weiteren Anstieg des operativen Ergebnisses um eine Milliarde Euro – ein ambitioniertes Ziel, sagten Analysten.

Einige „Baustellen“, wie Ricke es nannte, gibt es jedoch noch im Konzern. Eine ist die hausinterne Peronalserviceagentur Vivento (siehe Lexikon Seite 22). Die Telekom will bis Ende 2005 allein in Deutschland rund 40000 Arbeitsplätze abbauen. Vivento soll für die betroffenen Mitarbeiter neue Jobs finden. Bis Jahresende sollen bis zu 18000 Mitarbeiter zu Vivento gewechselt haben. Allerdings rechnet die Telekom nun damit, nur 3000 statt der geplanten 5000 Mitarbeitern einen neuen Arbeitsplatz vermitteln zu können. Damit fallen die erwarteten Kostenreduzierungen geringer als geplant aus.

In den Personalkosten sehe er den „kritischen Faktor“ für die Unternehmensentwicklung, sagte Ricke. „Ich baue darauf, dass wir das gemeinschaftlich mit den Sozialpartnern auf den Weg bringen.“ Das werde aber „noch ein harter Ritt“. Der Vorschlag der Telekom liege auf dem Tisch: Die rund 100000 Mitarbeiter der T-Com sollen ihre Arbeitszeit um zehn Prozent reduzieren und zugleich zehn Prozent weniger Gehalt bekommen. Dafür sollen 10000 Stellen gesichert werden.

Franz Treml, stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft Verdi und stellvertretender Aufsichtsratschef der Telekom sagte dem Tagesspiegel: „Dem Unternehmen geht es gut, genau wie Herr Ricke es gesagt hat. Und daher ist es nicht einzusehen, warum die Arbeitnehmer allein die Last zu tragen haben.“ Er forderte die Arbeitgeber auf, Verhandlungen mit Verdi aufzunehmen, „um eine Beschäftigungssicherung zu erreichen.“

Als weitere Baustelle identifizierte Ricke den Mautbetreiber Toll Collect. An dem Konsortium hält die Telekom 45 Prozent. Die verschobene Mauteinführung habe der Telekom „imagemäßig schadet“, sagte er. Zudem musste das Unternehmen wegen erwarteter Vertragsstrafen Rückstellungen bilden.

Die Telekom will nun ihre Investitionen wieder hochfahren. Ausgebaut werden könnte etwa das Netz von T-Mobile USA.

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