Wirtschaft : Telekom schließt 2002 mit Rekordverlust ab

Post-Chef Klaus Zumwinkel soll neuer Aufsichtsratchef werden

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Berlin (Tsp). Am kommenden Montag wird die Deutsche Telekom auf der Computermesse Cebit die Geschäftsergebnisse für das vergangene Jahr präsentieren. Vorstandschef KaiUwe Ricke wird die schlechteste Bilanz in der Firmengeschichte vorlegen. Analysten erwarten, dass die Telekom ein Rekordminus von 25,2 Milliarden Euro erwirtschaftet hat. Grund für den hohen Verlust sind vor allem die Wertberichtigungen, die die Telekom auf Mobilfunklizenzen und Firmenzukäufe vorgenommen hat.

Immerhin: Nach Analystenschätzungen konnte die Telekom ihren Umsatz um elf Prozent auf 53,2 Milliarden Euro und das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um sieben Prozent auf 16,2 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr steigern. Auch beim Schuldenabbau kommt sie voran. Durch den Verkauf von Beteiligungen und einen höheren Kapitalfluss sind die Verbindlichkeiten zum Jahresende voraussichtlich auf 61,5 Milliarden Euro gesunken. Ende September waren es noch 64 Milliarden Euro.

Schon in der kommenden Woche kann das Unternehmen mit einem weiteren Milliardenerlös aus dem Verkauf seiner Fernsehkabelnetze rechnen. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtet unter Berufung auf Branchenkreise, dass das Geschäft möglicherweise bereits am Montag abgeschlossen werde. Bislang fehlten den Käufern – Apax Partners, Goldman Sachs Capital Partners und Providence Equity – noch die verbindlichen Kreditzusagen von Banken für die Teilfinanzierung des Geschäfts. Diese lägen jedoch inzwischen vor. Die Telekom hatte Ende Januar bekannt gegeben, ihre verbliebenen Kabel-TV-Aktivitäten vollständig zu verkaufen und für die sechs Gesellschaften – abhängig von der künftigen Geschäftsentwicklung – bis zu 2,1 Milliarden Euro zu erhalten.

Seit Telekom-Chef Ricke im vergangenen November sein Amt angetreten hat, hat es umfangreiche Veränderungen im Vorstand der Telekom gegeben. Nun wird der Aufsichtsrat neu besetzt. Der bisherige Chef, Hans-Dietrich Winkhaus, gibt den Vorsitz ab, bleibt aber in dem Gremium. Den Posten des Vorsitzenden soll Post-Chef Klaus Zumwinkel übernehmen. Winkhaus war im Sommer vergangenen Jahres heftig in die Kritik geraten, weil er die Unternehmensführung des ehemaligen Telekom-Chefs Ron Sommer immer mitgetragen hatte. Nach Sommers Abgang blieb Winkhaus aber im Amt und musste erneut Kritik einstecken: Man warf ihm vor, die Suche nach einem neuen Telekom-Chef sei unprofessionell gewesen. Zur Wahl in den Aufsichtsrat sollen der Hauptversammlung außerdem Porsche- Chef Wendelin Wiedeking und der Chef der Münchener Rückversicherung, Hans-Jürgen Schinzler, vorgeschlagen werden. Aus Altersgründen scheiden André Leysen, Horst Sihler und Gert Becker aus dem Gremium aus.

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