Wirtschaft : Telekom schließt Call-Center in Berlin

Nur eins von fünf Kundenzentren bleibt erhalten / Bundesweit werden 30 Standorte aufgegeben

Y. El-Sharif,C. Visser
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Berlin - Nach monatelangen Verhandlungen hat die Deutsche Telekom ihren Streit mit dem Betriebsrat über die Schließung von Call-Centern beigelegt. Die in der Nacht zu Freitag gefundene Einigung sieht vor, dass in den kommenden zwei Jahren die Zahl der Standorte bundesweit um 30 auf dann 33 reduziert werden soll, wie die Telekom am Freitag mitteilte. Ursprünglich sollten von den insgesamt 63 Standorten nur 24 bleiben.

Neben Trier und Schwerin, auf deren Erhalt man sich bereits früher geeinigt hatte, sollen nun auch die Kundencenter in Bremen, Dresden, Heilbronn, Mainz, Meschede und eins von zuvor fünf in Berlin erhalten bleiben. Daneben werden neue Call-Center errichtet, um Mitarbeiter von anderen geschlossenen Standorten aufzunehmen und gleichzeitig Fahrzeiten zu verringern. Besonders betroffene Mitarbeiter sollen außerdem Stellen in der Nähe ihres Wohnorts bei der Telekom-Tochter Vivento Customer Services GmbH (VCS) erhalten. Als besonders betroffen gilt, wer für die Fahrt zur Arbeit in eine Richtung mehr als zwei Stunden benötigt. Im Vergleich zur ursprünglichen Streichliste der Telekom fallen allerdings zusätzlich die Standorte Leipzig, Bonn und Oldenburg weg.

Auch Berlin und Brandenburg bleiben von den Streichungen nicht vollständig verschont. Insgesamt sollen fünf Call- Center geschlossen werden, davon vier in der Hauptstadt und eins in Potsdam. Nur das ursprünglich ebenfalls zur Schließung vorgesehene T-Mobile-Center in Berlin-Tempelhof soll nun doch erhalten werden. Dort sind derzeit 175 Mitarbeiter beschäftigt. Nach Angaben des Verdi- Landesbezirks soll ein Teil der Beschäftigten aus den anderen Call-Centern nach Tempelhof wechseln. Die Telekom wollte diese Information nicht bestätigen.

Fest steht jedoch, dass 728 Berliner Beschäftigte künftig nach Frankfurt (Oder) pendeln müssen. Das dortige Kundencenter soll den Plänen zufolge ausgebaut werden. Statt bisher 200 sollen demnach in dem Frankfurter Zentrum künftig 900 Menschen arbeiten. Die 133 Potsdamer Mitarbeiter sollen nach den Plänen der Telekom künftig in Magdeburg arbeiten. Außerdem wird die Beschäftigungsgesellschaft Vivento in Oranienburg ein Kundencenter aufbauen.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) bezeichnete die Vereinbarung am Freitag als unzureichend. Die Telekom werde ihrer Verantwortung für die Mitarbeiter und den Standort Berlin in keiner Weise gerecht, wenn weiter darauf bestanden werde, dass die überwiegende Zahl der Beschäftigten nach Frankfurt (Oder) wechsele.

Die Gewerkschaft Verdi, die die Vereinbarung mit ausgehandelt hatte, zeigte sich zufriedener. „Das ist ein Kompromiss, um den größten Schaden abzuwenden“, sagte Verdi-Funktionär und T-Mobile-Aufsichtsrat Ado Wilhelm. Die Zahl der bundesweit Betroffenen falle nun erheblich geringer aus. Die genaue Zahl sei noch nicht klar, da noch offen sei, wer von den insgesamt 18 000 Mitarbeitern künftig an welchem Standort arbeitet. Nach den ursprünglichen Plänen hätten 8000 Mitarbeiter den Arbeitsplatz wechseln müssen. „Jetzt werden es weniger als die Hälfte sein“, schätzt Wilhelm.

Die Einigung war von Vertretern der Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite in der Nacht zum Freitag vor der Einigungsstelle erzielt worden. Diese war nach drei erfolglosen Verhandlungsrunden im Oktober angerufen worden.

Gegen die geplanten Schließungen hatte es in den vergangenen Monaten bundesweit Protestaktionen von Telekom-Mitarbeitern, unter anderem auch in Berlin, gegeben. Die betroffenen Kommunen hatten zum Teil ebenfalls heftig gegen die Telekom-Pläne protestiert.

Mit dem Umbau will die Telekom jährlich um die 57 Millionen Euro einsparen, sagte ein Telekom-Sprecher. Andererseits will das Unternehmen rund 70 Millionen Euro in die Modernisierung investieren. Im Rahmen der Einigung hatten sich die Verhandlungspartner außerdem auf einen Sozialplan mit einem Volumen von rund 40 Millionen Euro geeinigt. Damit sollen Härten für besondere Fälle wie Alleinerziehende, Behinderte oder Teilzeitbeschäftigte abgefangen werden. Daneben gibt es für die 33 Kundencenter und die sechs Vivento-Zentren eine Standortsicherung bis zum Jahr 2012.

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