Wirtschaft : Telekom schreibt Griechenland ab

OTE-Beteiligung erfüllt Erwartungen nicht

Besser als erwartet.
Besser als erwartet.Foto: dapd

Bonn - Die griechische Tochter OTE, vor drei Jahren als Wachstumshoffnung gekauft, entwickelt sich zum Milliardengrab für die Deutsche Telekom. Die Löhne bei OTE seien immer noch zu hoch, die Wochenarbeitszeit zu niedrig – und die griechische Telekom-Regulierung benachteilige das Unternehmen „massiv“, erläuterte Telekom-Finanzchef Timotheus Höttges am Donnerstag. Und während Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) mit den Spitzen der deutschen Industrie verhandelt, wie diese die Wirtschaft Griechenlands mit Investitionen aufpäppeln kann, will das vom Staat kontrollierte Unternehmen Telekom eventuell kein Geld mehr in dem Land in die Hand nehmen: Wegen der schlechten Wirtschaftslage in Griechenland müsse sich die Telekom überlegen, ob sie weiter in OTE investiere, sagte Höttges.

Die Telekom war 2008 bei OTE eingestiegen, um am starken Wirtschaftswachstum der Länder Südosteuropas teilzuhaben. OTE ist über Töchter in einigen Balkanländern vertreten. Aufgegangen sind die Pläne nicht: Bislang mussten 1,8 Milliarden Euro auf OTE abgeschrieben werden. Weitere Wertberichtigungen wollte Höttges nicht ausschließen. Wegen der Probleme stellt Konzernchef René Obermann sogar infrage, ob die Telekom ihre für 4,3 Milliarden Euro erworbene OTE- Beteiligung von 40 Prozent weiter aufstockt. Die Athener Regierung würde ihre verbliebenen zehn Prozent an dem ehemaligen Staatsmonopolisten gerne so schnell wie möglich zu Geld machen – die Telekom hat ein Vorkaufsrecht. Pläne, Griechenland den Rücken zu kehren, hat die Telekom aber nicht. „Wir sind dort für viele Jahre engagiert“, sagte Höttges.

Nicht nur in Griechenland spürt die Telekom Gegenwind. Probleme bei anderen Auslandstöchtern sowie ein teurer Personalabbau ließen den Gewinn einbrechen. Der Überschuss sank im zweiten Quartal um 27 Prozent auf 348 Millionen Euro. Vor allem Zahlungen an Vorruheständler in Deutschland lasteten auf der Bilanz – sie schlugen mit einer halben Milliarde Euro zu Buche. Der Umsatz schrumpfte um sieben Prozent auf 14,48 Milliarden Euro, in Deutschland um gut drei Prozent auf sechs Milliarden Euro. 2011 erwartet der Vorstand des gut 240 000 Mitarbeiter starken Konzerns unverändert ein bereinigtes Betriebsergebnis (Ebitda) von 19,1 Milliarden. Im zweiten Quartal kamen davon 3,79 Milliarden Euro zusammen.

Bei der Mobilfunktochter T-Mobile USA brach der Gewinn um ein Fünftel ein – neben Kundenverlusten machte der Telekom dort die Dollarschwäche zu schaffen. Im März hatte die Telekom angekündigt, dass sie ihr US-Geschäft an AT&T für 39 Milliarden Dollar verkaufen will. rtr

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