Wirtschaft : Telekom sieht nach der Tour de France rosarot

Ullrichs Sieg wird auch als Sponsoring-Erfolg gefeiert

BONN (AFP).Nicht nur die Fans bejubelten das Radlerteam der Telekom um Tour-de-France-Sieger Jan Ullrich am Montag zu Tausenden mit rosaroten Fähnchen und Käppis vor dem Bonner Rathaus ­ auch in der Bonner Telekom-Zentrale kennt die Begeisterung keine Grenzen.Beim Empfang für die erfolgreichen Tour-Bezwinger präsentierte sich die Telekom-Spitze überstolz; die Firma gratulierte dem Team bundesweit mit ganzseitigen Zeitungsanzeigen.Die Häme von einst, als das Radsport-Engagement der Telekom noch mit Schlagzeilen wie "Die Schneckenpost radelt hinterher" verrissen wurde, ist längst verflogen.Die Telekom liefert das derzeit wohl beste Beispiel für erfolgreiches Sportsponsoring."Das schafft für uns ein sehr günstiges Umfeld", heißt es im Unternehmen.Einige Kommentatoren ziehen schon die Parallele zwischen den Siegen der Radler im Telekom-Rosa und der rosigen Entwicklung der Telekom-Aktie, die während der Tour auf Spitzenwerte über 44 DM kletterte.Die Telekom selbst möchte diese Verbindung höchstens indirekt ziehen: Wenn die Leistung der Radsportler "Ansporn und Ebenbild dessen ist, was der Konzern macht", sei dies sicher gut für die Aktie. Den Grund für das Kurshoch der Telekom-Aktie sehen Analysten aber vielmehr in den blockierten Verhandlungen zwischen der Telekom und ihren Konkurrenten über den sogenannten Netzzugang.Anfang vergangener Woche verbuchte die Telekom einen wichtigen Etappensieg, als das Verwaltungsgericht Köln eine Anordnung des Postministeriums auf Eis legte, mit der die Telekom gezwungen werden sollte, den Konkurrenten ein neues Verhandlungsangebot über den Zugang zu ihren Kundenanschlüssen vorzulegen. Die Telekom schlachtet derweil ihren "großen Werbeerfolg" weidlich aus, der sich bereits 1996 mit dem Tour-de-France-Sieg des dänischen Telekom-Fahrers Bjarne Riis angedeutet hatte.Fan-Artikel werden auch in den Telefonläden angeboten, der Umsatz schnellte über die Vorjahresmarke von einer Mill.DM hinaus. Mit konkreten Zahlen ihres Sponsoring-Engagements hält die Telekom zwar hinter dem Berg, den von Experten genannen Zahlen von jährlich zehn bis zwölf Mill.DM wird aber nicht widersprochen.Der Radsport ist der Hauptbrocken und auch der größte Erfolg: Gemessen an der Medienpräsenz übertreffen die Telekom-Radler bei weitem den von der Telekom betreuten deutschen Basketball-Vizemeister Bonn und die erst im April geschlossene Sponsorenvereinbarung mit dem Deutschen Fußballbund.Telekom-Chef Ron Sommer kündigte nach der Tour de France an, das Radlersponsoring auch künftig beibehalten zu wollen.Dies kann aus Sicht der Telekom als Botschaft an die bald von der Konkurrenz umworbenen Kunden verstanden werden: Es geht nicht um kurzfristige Gewinne, sondern um langfristige Betreuung.

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