Wirtschaft : Telekom soll Einfluß auf TV-Kabel verlieren

DÜSSELDORF (rid/HB).Die privaten Kabelnetzbetreiber fordern, daß die Deutsche Telekom AG künftig keinen Einfluß mehr auf das Fernsehkabelnetz nehmen kann.Nach der geplanten Aufteilung der ausgegliederten Breitbandkabelgesellschaft T-Medianet GmbH in Regionalgesellschaften dürfe der Telekom-Anteil bei keiner Gesellschaft die Sperrminorität von 25 Prozent erreichen.Dies ist eine zentrale Forderung in einem Positionspapier des Verbandes der privaten Kabelnetzbetreiber, Anga, das dem Handelsblatt vorliegt.

Die privaten Kabelnetzbetreiber rechnen sich Chancen aus, bei der Aufteilung des Telekom-Kabels von reinen Fernsehprogrammverteilern zu Multimedia-Anbietern aufzusteigen.Sie wollen das Fernsehkabel so aufrüsten, daß darüber neben der Fernsehversorgung auch telefoniert und im Internet gesurft werden kann.Die Telekom äußert sich bisher nicht dazu, wieviel Einfluß sie am Ende des Ausgliederungsprozesses auf das Kabelfernsehen haben will.Derzeit zählt dieser Bereich zu den großen Verlustbringern des Unternehmens.Nach einem Verlust von 1,3 Mrd.DM für 1997 bei einem Umsatz von 3,1 Mrd.DM steht das TV-Kabel in der Halbjahresbilanz 1998 erneut mit einem Minus von 550 Mill.DM.

Die Deutsche Telekom AG wird - nach erheblichem Druck der EU-Wettbewerbsbehörde - ihr verlustträchtiges Fernsehkabelnetz in die T-Medianet GmbH ausgliedern.Diese Breitbandkabelgesellschaft soll regionalisiert werden.An den Regionalgesellschaften wiederum sollen andere Firmen beteiligt werden.Die privaten Kabelnetzbetreiber sehen dabei die Chance, von reinen Programmverteilern zu "Full-Service-Network"-Betreibern aufzusteigen.Dazu wollen sie das TV-Kabel zum Multimedia-Anschluß aufrüsten.Die Kunden könnten dann über diesen Anschluß Fernsehprogramme empfangen, telefonieren und im Internet surfen.Die Kabelnetzbetreiber könnten der Telekom also Kunden komplett abjagen.Damit die Konkurrenz im Ortsnetz auch wirklich funktioniert, fordert die Anga, daß der Telekom-Anteil bei jeder Regionalgesellschaft unter die Sperrminorität (25 Prozent) sinkt.Denn wenn die Telekom weiterhin Einfluß auf das Geschäft nehmen könne, "wäre die Regionalisierung in ihrem wettbewerbspolitischen Teil gescheitert".

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