Wirtschaft : Telekom steigt auf Vier-Tage-Woche um

Unternehmen einigt sich mit Verdi aufArbeitszeitverkürzung – 34 Stunden bei teilweisem Lohnausgleich

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Berlin (vis). Bei der Deutschen Telekom wird künftig in einer VierTage-Woche gearbeitet. Der Konzern hat mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ein Beschäftigungsbündnis vereinbart. Beide Seiten einigten sich dabei auf eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit auf 34 Stunden bei teilweisem Lohnausgleich, dafür verzichtet die Telekom bis Ende 2008 auf betriebsbedingte Kündigungen. Der stellvertretende Verdi-Vorsitzende Franz Treml nannte die Vereinbarung im Gespräch mit dem Tagesspiegel einen „Meilenstein“: „In einer Zeit, in der über Arbeitszeitverlängerung diskutiert wird, machen wir deutlich, wie durch Arbeitszeitverkürzung neue Arbeitsplätze entstehen.“ 10000 Arbeitsplätze blieben so bei der Telekom erhalten.

Hilmar Schneider, Direktor am Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA) wies jedoch darauf hin, dass die Telekom zwar mit dem Beschäftigungsbündnis absolut Personalkosten einspare, dass sich der Preis für eine Arbeitsstunde aber um 4,4 Prozent erhöhe. „Das ist ein hoher Preis“, sagte Schneider. Ursprünglich hatte die Telekom die Personalkosten um etwa 500 Millionen Euro reduzieren wollen.

Bereits in den vergangenen zehn Jahren hat die Telekom rund 100000 Arbeitsplätze im Konzern abgebaut. Doch das Unternehmen beschäftigt immer noch zu viele Mitarbeiter, um im Wettbewerb konkurrenzfähig zu sein. In den Jahren 2001 bis 2005 sollten daher noch einmal 55000 Arbeitsplätze gestrichen werden, rund 38000 davon in der Festnetzsparte T-Com. Etwa 20000 davon waren per Ende 2003 bereits abgebaut. Dabei sind alle gängigen Maßnahmen zum Personalabbau ohne betriebsbedingte Kündigungen im Konzern inzwischen weitgehend ausgeschöpft. Hinzu kommt, dass bei der Festnetzsparte T-Com noch rund 50000 „unkündbare“ Beamte beschäftigt sind. Ein weiterer Personalabbau hätte bedeutet, dass vor allem die Angestellten den Konzern hätten verlassen müssen. Das nun geschlossene Bündnis war ein Weg, dies zu vermeiden.

Personalvorstand Heinz Klinkhammer sagte, das Beschäftigungsbündnis schaffe nun eine langfristige, verlässliche Grundlage für eine tragfähige Lösung der Beschäftigungs- und Kostenprobleme im Konzern. „Wir haben gemeinsam mit dem Tarifpartner eine historische Einigung erzielt“, sagte Klinkhammer.

Im Einzelnen hat die Telekom mit Verdi folgende Vereinbarungen getroffen, die für die rund 120000 Beschäftigten der Festnetzsparte T-Com und der Zentrale gelten: Die Wochenarbeitszeit sinkt von 38 auf 34 Stunden und kann in einzelnen Bereichen temporär sogar auf 32 Stunden sinken. Die Arbeitszeitverkürzung gilt für die 70000 tariflichen Arbeitnehmer rückwirkend zum 1.März 2004 und soll ab 1.April 2004 ebenfalls auf die 50000 Beamten bei der T-Com angewandt werden. Für die Verkürzung der Wochenarbeitszeit auf 34 Stunden gibt es einen Teillohnausgleich von 1,5 Stunden, so dass 35,5 Stunden bezahlt werden. Die Absenkung der Wochenarbeitszeit soll Raum für zusätzliche 10000 Arbeitsplätze schaffen.

Darunter versteht die Telekom, dass Mitarbeiter aus der konzerneigenen Personalvermittlung Vivento wieder in reguläre Beschäftigungsverhältnisse im Konzern versetzt werden können und auf bereits geplante Versetzungen nach Vivento verzichtet werden kann. Bisher nahm Vivento frei werdende Mitarbeiter auf und sollte sie innerhalb und außerhalb des Konzerns in neue Stellen vermitteln. Der Erfolg war jedoch bisher sehr gering.

Darüber hinaus vereinbarte die Telekom mit Verdi beim Gehalt in 2004 eine Nullrunde für acht Monate. Danach erhalten die Tarifarbeitnehmer ab 1.Januar 2005 eine Entgelterhöhung von 2,7 Prozent. Da die Laufzeit 15 Monate beträgt, ergibt sich daraus eine Erhöhung um 2,16 Prozent.

Keine Einigung erzielten Telekom und Verdi dagegen über die künftige Zahl der Ausbildungsplätze im Konzern. Die Telekom will, dass auch die Auszubildenden auf Leistungen verzichten und will keine Übernahmegarantie abgeben. Nur dann sollen weiterhin 4000 Auszubildende pro Jahr aufgenommen werden. Verdi lehnt diese Bedingungen jedoch als zu weit gehend ab.

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