Wirtschaft : Telekom stellt sich quer

DÜSSELDORF (mat/HB).Wettbewerb im Ortsnetz will die rheinische Stadt Leverkusen ihren Bürgern anbieten.Die Telelev Telekommunikation GmbH, eine Tochter des örtlichen Energieversorgers und der RWE Telliance, wäre auch bereit dazu - wenn sie nur endlich einen Vertrag mit der Telekom schließen könnte."Die Telekom verweigert uns die Netzzusammenschaltung", sagt Susanne Seiffert, Prokuristin bei Telelev.Eines der Argumente der Telekom sei, daß Telelev außerhalb ihres Lizenzgebietes Leverkusen und Umland lediglich ein Wiederverkäufer von Telekom-Netzkapazitäten sei.Deshalb habe sie keinen Anspruch auf die vom Regulierer für Netzgesellschaften festgelegten Zusammenschaltungsgebühren von durchschnittlich 2,7 Pfennig (Interconnection).Die Telekom verlange statt dessen höhere Reseller-Tarife.Tatsächlich betreibt die Telelev ein eigenes Telekommunikationsnetz, das sie von der Energieversorgung Leverkusen übernommen und ausgebaut hat.Außerdem hat sie einen eigenen Glasfaser-Backbone-Ring gelegt.Daran will sie als sogenannter Citycarrier Haushalte direkt anschließen.Für Ferngespräche hingegen ist sie auf das Telekom-Netz angewiesen.

Die Telelev ist mit dem Problem nicht allein.Auch mehrere bayrische Citycarrier sehen sich mit der Forderung nach höheren Reseller-Gebühren konfrontiert.Die Telenec Telekommunikation Neustadt GmbH & Co.KG hat es bisher nicht einmal bis zu Verhandlungen geschafft.In sechs Monaten könnten diese aufgenommen werden, vertröstete die Telekom den Citycarrier, der gerade erst seinen Lizenzantrag gestellt hat.Von "Schwierigkeiten, den Interconnect-Vertrag durchzubekommen", berichtet auch eine Sprecherin der baden-württembergischen Tesion Communicationsnetze Südwest GmbH & Co.KG.

"Die Telekom versucht auf alle möglichen Arten, Interconnect-Verträge zu verzögern", faßt Gerd Eickers die Erfahrungen der Anbieter zusammen, die kurz vor dem Markteintritt stehen.Der Geschäftsführer des Verbandes der Anbieter von Telekommunikations-und Mehrwertdiensten (VATM) verlangt, daß neue Gesellschaften nicht schlechter gestellt werden als die Anbieter, die zum ersten Januar in den Wettbewerb gestartet sind.Im Ausland, vor allem in den USA, entstehe bereits der Eindruck, daß der deutsche Telekommunikationsmarkt gegenüber neuen Anbietern abgeschottet werden solle.

Die Deutsche Telekom äußert sich nach Angaben eines Sprechers nicht zu einzelnen Verhandlungen.Grundsätzlich verweist er jedoch darauf, daß die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RTP) erst im September entscheiden wird, wer ein sogenannter Verbindungsnetzbetreiber ist und damit Anspruch auf Interconnection-Tarife hat und wer als reiner Reseller gelten kann.Die Regulierungsbehörde geht nach Angaben eines Sprechers derzeit einigen Beschwerden neuer Anbieter nach.

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