Wirtschaft : Telekom strafft die Führungsstruktur

Position des Vorstandschefs wird gestärkt

Stefan Kaiser

Berlin/Bonn – Der Aufsichtsrat der Deutschen Telekom hat Konzernchef Kai-Uwe Ricke den Rücken gestärkt. Der wegen massiver Kundenverluste in die Kritik geratene Vorstandsvorsitzende bleibt auf seinem Posten und erhält zusätzliche Kompetenzen. Wie Ricke in einer Telefonkonferenz am Samstag verkündete, soll die Struktur des Unternehmens verschlankt und „entscheidende Schlüsselpositionen zentral vom Konzernvorstand geführt“ werden.

Ricke setzt dabei auf die Chefs der Sparten T-Mobile und T-Systems, René Obermann und Lothar Pauly. Der gesamte Vertrieb für Festnetz und Mobilfunk in Deutschland werde demnach zusammengefasst und stehe künftig unter Leitung von Obermann. Die weltweite Netztechnik, die IT und den Einkauf soll Pauly verantworten. Ricke selbst übernimmt zusätzlich die Bereiche Werbebudget, Werbeplanung und Medienkoordination in Deutschland. Damit solle die Telekom ihren Marktauftritt stärker koordinieren und zugleich ihre Kostenstrukturen „radikal an die veränderten Marktbedingungen anpassen“, sagte Ricke. „Wir wollen Europas Telekommunikationsunternehmen Nummer eins sein.“ Und zwar nicht nur, wie bisher, beim Umsatz, sondern auch beim Ertrag. Verlierer der Neuordnung ist der Chef der Festnetzsparte T-Com, Walter Raizner. Er erhält keine neuen Kompetenzen.

Vor der Aufsichtsratssitzung war darüber spekuliert worden, Ricke und Raizner könnten ihre Jobs verlieren. Sie wurden maßgeblich für die jüngsten Misserfolge verantwortlich gemacht. Ricke hatte vor wenigen Wochen die Umsatz- und Gewinnprognose für das Gesamtjahr senken müssen. Allein im ersten Halbjahr hatte das Unternehmen rund eine Million Festnetzkunden verloren.

„Personalfragen waren in der Aufsichtsratssitzung kein Thema“, erklärte Ricke. Über die im Herbst anstehende Verlängerung seines Vertrags mache er sich zur Zeit keine Gedanken.„Ich fühle mich gut“, sagte der Telekom-Chef.

Ricke legte dem Aufsichtsrat ein Sieben-Punkte-Programm unter dem Titel „Telekom 2010“ vor, mit dem er die Umsätze stabilisieren und die Gewinne verbessern will. Zum Programm gehören unter anderem die Umstellung des gesamten Netzes auf die kostengünstigere IP-Technik und ein deutlich besserer Kundenservice. Ziel sei es, bis 2008 rund 80 Prozent aller Kundenanliegen beim ersten Kontakt zu erledigen, sagte Ricke.

Die Kosten sollen unter anderem dadurch sinken, dass nicht betriebsnotwendiges Vermögen verkauft werde. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi vermutet aber, dass die angekündigte Effizienzstrategie auch zu Lasten der Mitarbeiter geht. „Wir befürchten, dass der Druck auf das Personal weiter zunimmt“, sagte Lothar Schröder, Mitglied im Verdi-Bundesvorstand und im Telekom-Aufsichtsrat, dem Tagesspiegel. Allein in diesem Jahr müssen 12 000 Telekom-Mitarbeiter gehen.

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