Telekom-Streik : "Wir stehen vor einem Wendepunkt"

Verbessertes Angebot: In den seit vier Wochen andauernden Streit um massiven Stellenabbau bei der Telekom ist Bewegung gekommen.

BonnDer inzwischen vier Wochen andauernde Streik bei der Telekom wegen des geplanten massiven Stellenumbaus steht am Wendepunkt: Personalchef Thomas Sattelberger stellte der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ein verbessertes Angebot mit einem Erfolgsbonus in Aussicht. "Wir stehen in den nächsten Tagen vor einer Weichenstellung", sagte er. Auch in allen anderen Punkten wie der Absenkung der Gehälter sei die Telekom verhandlungsbereit. "Es gibt bei uns kein Dogma".

Verdi-Verhandlungsführer Lothar Schröder signalisierte erstmals ein Einlenken der Gewerkschaft. "Unser Streik hat offenbar das Nachdenken bei der Telekom beflügelt", erklärte der Gewerkschafter, der auch stellvertretender Aufsichtsratschef der Telekom ist. Als "hochproblematisch" bezeichnete Schröder aber die weiterhin geplanten Einschnitte in die Gehälter der betroffenen Arbeitnehmer. Als positiv bewertete er die Aussage von Sattelberger, dass die Telekom in allen Punkten gesprächsbereit sei. Beobachter erwarten, dass die Tarifpartner schon im Lauf der nächsten Tage oder Anfang kommender Woche neue Verhandlungen starten könnten.

Erfolgsbonus soll Bewegung in Verhandlungen bringen

Auch Sattelberger zeigte sich sehr optimistisch, dass der Tarifpartner in den nächsten Tagen an den Verhandlungstisch zurückkehren wird. Dabei betonte er, dass die Offerte der Telekom keine "Charmeoffensive" sei. Unterdessen protestierten nach Verdi-Angaben bundesweit erneut 15.000 Beschäftigte mit Arbeitsniederlegungen gegen die geplante Auslagerung von 50.000 Stellen in neue Service-Gesellschaften der Telekom.

Der neue Personalchef Sattelberger erläuterte erstmals den vom Vorstand ins Spiel gebrachten Erfolgsbonus, der neben einer Ausweitung des variablen Anteils der Gehälter auf 20 Prozent als neues Element in die Verhandlungen einfließen soll. Diese Beteiligung "in einem hohen zweistelligen Millionenbetrag" könnte im Jahr 2011 zur Auszahlung kommen. Die ausgeschüttete Summe sei dabei abhängig vom wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens und von erreichten Zielen bei der Kundenzufriedenheit. Ausdrücklich betonte Sattelberger, dass der Vorstand auch zu den anderen Bausteinen gesprächsbereit sei.

Telekom droht Verdi mit Alleingang

In den Verhandlungen mit Verdi hatte die Telekom zuletzt eine stufenweise Absenkung der Gehälter um neun Prozent und eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit auf 38 Stunden verlangt. Im Gegenzug sollte es unter anderem einen Kündigungsschutz bis Ende 2011 geben. Verdi hatte die Offerte abgelehnt und die Beschäftigten nach einer Urabstimmung zum Streik aufgerufen. Durch den Stellenumbau will das Unternehmen unter anderem 500 Millionen bis 900 Millionen Euro einsparen und die Service-Qualität verbessern.

Mit dem nachgebesserten Gesamtkonzept, das auch einen Investitionspakt für Qualifizierung und Service-Kultur vorsieht, sind die Einsparpläne der Telekom laut Sattelberger nicht gefährdet. "Wir liegen weiterhin voll im Zielkorridor, es wird keine Abstriche geben". Das habe das Unternehmen den Kapitalmärkten versprochen.

Einen möglichen Alleingang beim Stellenumbau bezeichnete der Personalchef erneut als "ultima ratio". Die Telekom hatte Verdi mehrfach diesen Schritt angedroht, sollte es zu keiner Einigung mit dem Tarifpartner kommen. In der kommenden Woche sollen die betroffenen Mitarbeiter formell über ihre Eingliederung in neue Gesellschaften unterrichtet werden. Dabei drohen ihnen wesentlich schlechtere Konditionen als die im letzten Telekom-Angebot genannten Bedingungen. (mit dpa)

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