Telekom-Streiks : Schwaben-Power soll Telekom-Konflikt lösen

Die Gespräche zwischen Verdi und der Telekom nähern sich der entscheidenden Phase. Die Verhandlungsführer suchen fieberhaft nach einem Kompromiss, um den für beide Seiten schädlichen Streik bald zu beenden.

Telekom-Streiks
Die Verhandlungen zwischen der Telekom und Verdi gehen in die entscheidende Phase.Foto: ddp

Bad NeuenahrAuf den ersten Blick wirkt Lothar Schröder nicht wie ein Gewerkschaftsvertreter: Modische, randlose Brille, gut sitzender Anzug und dazu passende Krawatte. Der 47-Jährige ist aber Gewerkschaftler durch und durch und blickt auf 15 Jahre bei Verdi und deren Vorläufergesellschaft DPG zurück. Schon im Alter von 18 Jahren bei seiner Ausbildung bei der Bundespost vertrat er die Interessen der Arbeitnehmer. Sein ganzes Verhandlungsgeschick muss Schröder nun in die laufenden Gespräche über den geplanten Umbau der Deutschen Telekom einbringen. Der Konzern plant Einschnitte bei den Gehältern und eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit. Forderungen, die den betroffenen Mitarbeitern nur schwer vermittelbar sind angesichts der aufhellenden Wirtschaftslage und der Dividenden-Ausschüttungen an die Aktionäre.

Suche nach dem Konsens

Bei den seit Mittwoch laufenden Verhandlungen im rheinland-pfälzischen Bad Neuenahr trifft Schröder auf Thomas Sattelberger, der Anfang Mai den Posten als Personalvorstand bei der Telekom antrat. Sattelberger verfügt wie Schröder über reichlich Erfahrung in seinem Metier. So boxte er bei seinem früheren Arbeitgeber, dem Autozulieferer Continental, eine viel kritisierte Werkschließung durch, was ihm den Ruf als Hardliner eintrug. Bei der Telekom setzt Sattelberger, ein Schwabe wie Schröder, auf Konsens. Gegen die Arbeitnehmerseite lasse sich kein Unternehmen führen, sagt er im kleinen Kreis. Gleichzeitig stellt der 57-Jährige klar, dass der Konzern die Lohnsenkung brauche, um das Einsparziel von 500 bis 900 Millionen Euro zu erreichen.

Vor dem Verhandlungsraum in dem Hotel in Bad Neuenahr geben sich die beiden Gesprächsführer wie alte Freunde: Im Licht der Kamerascheinwerfer scherzen sie miteinander und Sattelberger legt den Arm um Schröders Schulter. Hinter verschlossenen Türen geht es aber zum Teil hitzig zu, heißt es im Umfeld der Verhandlungen. In kleinen Gruppen ringen die knapp 40 Delegierten von Verdi und Telekom um jedes Detail. Wie lassen sich die Belastungen für die rund 50.000 Mitarbeiter abfedern, die in den neuen Bereich T-Service ausgelagert werden? Gleichzeitig muss die Telekom die Forderungen des Kapitalmarkts nach Einsparungen erfüllen, sonst findet sich die T-Aktie auf dem Verkaufszettel wieder. Vorstandschef René Obermann fürchtet dann mittelfristig eine Übernahme durch Finanzinvestoren, was eine Zerschlagung nach sich ziehen dürfte.

Sattelberger will keinen Fehlstart

Beide Seiten haben viel zu verlieren und dringen daher auf einen Kompromiss. Für Sattelberger wäre ein Scheitern ein schlechter Start in seinem neuen Amt. Er spielt daher seine ganze Erfahrung als Tarifkenner aus und arbeitete innerhalb weniger Tage neue Vorschläge aus, mit denen er Verdi eine Brücke für die Rückkehr an den Verhandlungstisch baute. "Dabei arbeitet er Tag und Nacht", heißt es in seinem Umfeld. Seine gute Laune lässt er sich dabei nicht nehmen, was ihn mit Schröder eint. Auch der Verdi-Vertreter kann jeder Lage etwas positives abgewinnen. Schon wenige Stunden nach dem Start der Gespräche demonstrierten Schröder und Sattelberger Zuversicht: "Wir sind optimistisch", beteuerten beide.

Bis zu einer gütlichen Einigung ist es aber noch ein weiter Weg. Die Tarifparteien haben sich bis zum kommenden Dienstag Zeit für ihre Gespräche genommen - auch am Wochenende wird verhandelt. Die Große Tarifkommission von Verdi soll dann am Mittwoch über das Ergebnis beraten. Ein tragfähiger Kompromiss wäre ein Erfolg für beide Seiten und würde die Grundlage für die künftige Zusammenarbeit von Sattelberger und Schröder legen. Ein Konflikt wie zuletzt mit bis zu 16.000 Streikenden könnte damit künftig vermieden werden. (Von Martin Murphy, dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben