Wirtschaft : Telekom treibt Stellenabbau voran

vis/msb

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi befürchtet, dass die Deutsche Telekom weit mehr Stellen abbauen wird, als bisher geplant. "Wir wurden zu Beginn der laufenden Tarifrunde eher beiläufig über die Absicht der Arbeitgeber informiert, 30 000 Arbeitsplätze zu vernichten", sagte Verdi-Vorstandsmitglied Rüdiger Schulze. So werde versucht, politischen Druck auf die seit dem 14. März laufenden Tarifverhandlungen auszuüben. Gewerkschaft und Gesamtbetriebsrat kündigten Widerstand gegen den angekündigten Stellenabbau an.

Die Deutsche Telekom hat seit 1990 im Schnitt jährlich mehr als 10 000 Arbeitsplätze gestrichen. Während die Zahl der Beschäftigten in der Telekom AG massiv gesunken ist, stieg die Mitarbeiterzahl bei Tochterunternehmen und Auslandsgesellschaften an. Ende 2001 arbeiteten rund 257 000 Mitarbeiter im Gesamtkonzern. Rationalisierungsbedarf sieht die Telekom vor allem im angestammten Festnetzgeschäft, der Sparte T-Com. Ende 2001 waren dort noch rund 116 000 Mitarbeiter beschäftigt. Die Sparte hatte als einzige der vier Telekom-Säulen mit einem Gewinn von 3,2 Milliarden Euro vor Steuern schwarze Zahlen geschrieben. Das waren allerdings 1,1 Milliarden Euro weniger als 2000.

"Wir werden auch weiterhin massiv Stellen abbauen müssen, um international wettbewerbsfähig zu bleiben", sagte ein Telekom-Sprecher. Die Zahl von 30 000 Stellen wollte er nicht kommentieren. Der Stellenabbau der vergangenen Jahre sei "sozialverträglich und in enger Abstimmung mit Gesamtbetriebsrat und Gewerkschaften" erfolgt. "Daran wird sich nichts ändern", sagte der Sprecher. Die Beschäftigten von T-Com sind bis Ende 2004 vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt.

Für die übrigen Konzernbereiche gilt dies nicht. Die Gewerkschaft befürchtet, dass außer dem bereits geplanten Abbau von rund 10 000 Stellen bei T-Com nun konzernweit bis zu 20 000 weitere Arbeitsplätze eingespart werden. Bei T-Com könnte sich der Stellenabbau dadurch auf bis zu 20 000 erhöhen, bis zu 10 000 weitere Stellen könnten bei der Mobilfunktochter T-Mobile, der Systemhaustochter T-Systems sowie anderen Konzernteilen wegfallen. Verdi warnte die Untenehmensleitung, auf Kosten der Beschäftigten Handlungsfähigkeit zu demonstrieren, "um die Aktionäre im Hinblick auf die kommende Hauptversammlung zu beeindrucken".

Sommer bei Monti

Unterdessen traf Telekom-Chef Ron Sommer am Donnerstag in Brüssel mit EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti zusammen. Thema war unter anderem die Zukunft der Regulierung. Monti und Sommer waren sich einig, dass der Mobilfunksektor keiner Regulierung unterliegen sollte. Unterschiedlicher Meinung waren die beiden, als es um die aktuelle Untersuchung der EU-Kommission gegen die Telekom ging. Vergangene Woche stellte die Kommission der Telekom eine Reihe von Beschwerdepunkten zu, weil diese bei den Teilnehmeranschlüssen eine marktbeherrschende Stellung einnehme und diese missbrauche. Die Telekom hat zwei Monate Zeit, um zu den Vorwürfen der Kommission Stellung zu nehmen.

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