• Telekom trifft Vorentscheidung für Kabelnetzverkauf Fünf Bieter wollen verbliebene Gesellschaften komplett erwerben

Wirtschaft : Telekom trifft Vorentscheidung für Kabelnetzverkauf Fünf Bieter wollen verbliebene Gesellschaften komplett erwerben

NAME

Bonn/Berlin (dpa/hop). Die Verhandlungen über den Verkauf des TV-Kabelnetzes der Deutschen Telekom treten in ihre heiße Phase. Aus den bisher eingegangenen neun Offerten seien fünf internationale Konsortien in die engere Auswahl gezogen worden, teilte der Konzern am Montag in Bonn mit. Deren verbindliche Angebote würden bis Ende September erwartet. Konkrete Angaben zu den beteiligten Unternehmen wollte die Telekom jedoch nicht machen. Auf der Basis dieser Kaufofferten werde dann entschieden, mit wem exklusiv weiter verhandelt werde. Sollte eines der Angebote bereits gut genug sein, sei sogar ein direkter Verkauf möglich, bestätigte Telekompressesprecher Stephan Broszio dem Tagesspiegel.

Von einem Großteil ihrer Kabelnetze hat sich die Telekom bereits getrennt oder hält nur noch Minderheitsbeteiligungen. Die übrigen sechs regionalen TV-Kabelgesellschaften (Bayern, Berlin-Brandenburg, Rheinland-Pfalz/Saarland, Bremen/Niedersachsen, Hamburg/Schleswig- Holstein/Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen/Sachsen-Anhalt/Thüringen) will die Telekom komplett im Paket veräußern. „Die fünf verbliebenen Bieter haben Angebote für alle sechs Gesellschaften zusammen abgegeben“, sagte Broszio. Nun haben die ausgewählten Interessenten die Möglichkeit, im Rahmen einer „Due Dilligence“ detaillierte Einsicht in die Bücher der angebotenen Gesellschaften zu nehmen.

Vor knapp einem Jahr hatte die Telekom die Unternehmen bereits an den US-Medienkonzern Liberty Media für 5,5 Milliarden Euro verkauft. Dies Geschäft war Anfang 2002 vom Bundeskartellamt gestoppt worden. Die Wettbewerbshüter befürchteten, dass Liberty Media den deutschen Kabelmarkt zu stark beherrschen könnte. Liberty Media wiederum war nicht dazu bereit, vom Kartellamt geforderte Konzessionen zu machen und sich zum Ausbau des Kabelnetzes zum Beispiel für Internet- oder Telefondienste zu verpflichten. Ohne Einwände des Kartellamtes war zuvor der mehrheitliche Verkauf der Kabelfirmen in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg an die britisch-amerikanische Telekomgesellschaft Callahan und des Netzes in Hessen an ein Konsortium unter der Führung des britischen Investors Klesch über die Bühne gegangen.

Die Deutsche Telekom will mit den Einnahmen vor allem ihren enormen Schuldenberg von rund 65 Milliarden Euro abtragen. Nach dem Scheitern des Verkaufs der Kabelnetze an Liberty Media und den finanziellen Schwierigkeiten von Callahan in Nordrhein-Westfalen gehen Branchenkenner davon aus, dass die Telekom für die Kabelnetze allenfalls noch einen Preis zwischen 3 und 4 Milliarden Euro erzielen kann. Die Telekom hatte den Verkaufsprozess im Mai gestartet. Falls die Kartellbehörden mitspielen, wäre ein Abschluss bis Ende 2002 oder Anfang kommenden Jahres möglich, sagte Broszio.

0 Kommentare

Neuester Kommentar