Wirtschaft : Telekom und Pro 7 beflügeln Anlage in Medienfonds

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Fondsgesellschaften und TV-Produzenten bieten neue Investitionsmöglichkeiten schon ab 100 DMkn

Nachdem sich die Telekom- und die Pro 7-Aktie an der Börse etabliert haben, wächst auch in Deutschland das Interesse nach weiteren Geldanlagen im Medien- und Kommunikationsbereich.Zwar gibt es schon lange die Möglichkeit, Geld in private Filmobjekte zu investieren.Eine breitere Öffentlichkeit wurde jedoch erst in den vergangenen Jahren auf den stetig wachsenden Medienmarkt aufmerksam.So haben auch die großen deutschen Investmentgesellschaften bis Mitte der neunziger Jahre gezögert, bevor sie spezielle Medienfonds in ihr Angebot aufnahmen.Dafür läuft das Geschäft jetzt umso besser: "Seit Beginn des Jahres wurden über 780 Mill.DM in unseren erst im Januar neu aufgelegten Medienfonds investiert", sagt Antje Dörgeloh vom Deutschen Investment-Trust der Dresdner Bank. Außer der Dresdner Bank-Investmentgruppe werden Medienfonds unter anderem noch von der Fondsgesellschaft der Sparkassen, der genossenschaftlichen Union-Investment-Gesellschaft und der Deutschen Bank angeboten.Bei allen diesen Fonds handelt es sich um Wertpapier-Sondervermögen.Da keine hohen Mindestsummen vorgeschrieben sind, ist der Bereich auch für Kleinanleger interessant.So kostet ein Anteil beim Medienfonds der Sparkassen nur 100 DM.Unter 1000 DM macht eine Anlage allerdings nach Angaben der Fondsgesellschaften ökonomisch wenig Sinn.Die meisten Anleger investieren ohnehin wesentlich höhere Summen.Alle so erzielten Einnahmen werden von den Fondsmanagern dann in die unterschiedlichsten Medienunternehmen gesteckt, wie zum Beispiel Fernsehsender, Presseverlage oder Telekommunikationsfirmen."Die Gelder werden national und international breit gestreut", sagt Antje Dörgeloh.Die möglichen Renditen hängen somit von der weltweiten Geschäftsentwicklung der Medienbranche ab.Aufgrund der in den vergangenen Monaten sehr stark steigenden Aktienkurse legten einige Medienfonds nach Angaben der Gesellschaften seit Anfang des Jahres teilweise um über 40 Prozent zu.Zudem bestehe aufgrund der starken Streuung der Gelder für die Anleger keine Gefahr, ihre Investitionen zu verlieren. Ein höheres Risiko geht hingegen ein, wer sich als Stiller Gesellschafter an einem konkreten Projekt beteiligt.Diese Möglichkeit bieten in Deutschland zum Beispiel die Münchener Cinerenta-Filmproduktion und die FIMA-Fernsehproduktion aus dem baden-württembergischen Gernsbach.Im Vergleich zu den Medienfonds der Investmentgesellschaften werden bei diesen Beteiligungen außerdem wesentlich höhere Summen verlangt.So ist bei der FIMA-Fernsehproduktion eine Einlage von mindestens 10 000 DM erforderlich.Dafür erhält der Anleger dann aber auch eine wesentlich persönlichere Betreuung als bei den großen Medienfonds: Jeder Kunde bekomme Informationen über das von ihm finanzierte Filmprojekt, sagt der FIMA-Geschäftsführer Andy Fischer."Wir laden jeden Anleger an den Drehort und zur Premierenfeier ein." Bei den Gewinnaussichten ist der Geschäftsführer dafür zurückhaltender.Die Rendite ist im wesentlichen vom schwer prognostizierbaren Kino-Erfolg abhängig, so der FIMA-Mann. Daß Geldanlagen in der Medienbranche im allgemeinen Erfolg versprechen, wird auch von unabhängigen Wissenschaftlern bestätigt.So sieht das in Berlin ansässige Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) bei privaten Fernsehsendern eine weiterhin gute Ertragslage."Aufgrund der hohen Akzeptanz durch die Werbewirtschaft bestehen zusätzliche Wachstumsmöglichkeiten", sagt der DIW-Forscher Wolfgang Seufert.Nach einer von Seufert erstellten wissenschaftlichen Studie erscheinen allerdings Investitionen in Sparten- oder Ballungsraumprogrammen aufgrund der dort noch geringen Werbeeinnahmen zur Zeit riskant. DIW-Mitarbeiter Seufert glaubt allerdings ohnehin nicht, daß für die Geldanleger im Medienbereich allein die in Aussicht gestellten Renditen entscheidend sind.Der Erfolg der Telekom- und der Pro 7-Aktie ist nach Meinung von Seufert zu einem Großteil auf die intensive Public-Relation für diese neuen Geldanlagen zurückzuführen: "Wer hat schon bessere Möglichkeiten für eine Aktie zu werben, als ein Fernsehsender?" so der Wissenschaftler.

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