Wirtschaft : Telekom und Telefónica kommen sich näher

MADRID/BONN (ze/hej). Eine Allianz zwischen der Deutschen Telekom und der spanischen Telefónica wird immer wahrscheinlicher. Angeblich wollen beide Konzerne ihre Zusammenarbeit am 6. August verkünden. Statt einer Fusion sei die Gründung einer gemeinsamen Gesellschaft geplant, in die beide Unternehmen ihr Auslandsgeschäft einbringen wollen, hieß es. Sollte die Allianz zustandekommen, dürfte das auch die Aussichten von Ex-EU-Kommissar Bangemann, in den Telefónica-Aufsichtsrat einzuziehen, verbessern.Einen entsprechenden Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" wollten die Telefonkonzerne am Montag jedoch nicht bestätigen. Während die Telekom betonte, sie nehme keine Stellung, dementierte die Telefónica gleich jeden Kontakt mit der Telekom "voll und ganz". Dabei pfeifen in Bonn wie in Madrid die Spatzen von den Dächern, daß zwischen den beiden Weltkonzernen die Drähte glühen. Glaubt man der "FAZ", haben sich Telekom-Chef Ron Sommer und Telefónica-Präsident Juan Villalonga an den beiden vergangenen Wochenenden getroffen, um die Grundzüge einer Allianz festzulegen.Statt - wie ursprünglich geplant - zu fusionieren, wollen beide Telefonriesen nun nur im Auslandsgeschäft kooperieren und denken an die Gründung einer gemeinsamen Gesellschaft, in der die Aktivitäten außerhalb der Landesgrenzen gebündelt werden. Die beiden nationalen Märkte wären dann von der Zusammenarbeit ausgenommen. Auch sei nicht ausgeschlossen, daß man noch einen weiteren potenten Partner ins Boot nehme, etwa in den USA.Käme das Geschäft zustande, würde sich den Deutschen der lukrative lateinamerikanische Markt öffnen, auf dem Telefónica unbestrittener Marktführer ist. Die Spanier haben in den vergangenen Jahren mehr als zehn Mrd. Dollar in die Eroberung des südamerikanischen Marktes gesteckt, wo noch rund 500 Millionen potentielle Kunden warten. Mit dem Geld wurden gleich im Dutzend Telefon-Firmen erworben: Argentinien, Brasilien, Chile, Venezuela, Peru, Puerto Rico, El Salvador, Guatemala - all das ist jetzt schon Telefónica-Land. Doch der Investitionsbedarf ist noch immer so groß, daß sich die Spanier allein schnell an diesem Brocken verheben könnten. Umgekehrt hätten die Spanier in einem Boot mit den Deutschen zweifellos bessere Chancen, im zentral- und osteuropäischen Geschäft Fuß zu fassen, wo es ebenfalls viel Nachholbedarf gibt. Und sollte Martin Bangemann, der von Telefónica verpflichtete Ex-EU-Kommissar, den Gewittersturm überleben, der nach seinem unrühmlichen Abgang in Brüssel ausbrach, könnte er in dieser Allianz vielleicht doch noch sinnvoll beschäftigt werden.Nach Meinung von Analysten könnte die Gründung einer gemeinsamen Gesellschaft der erste Schritt für eine spätere Fusion sein. "So würden beide Konzerne ihr Gesicht wahren und könnten in aller Ruhe die Weichen stellen", sagt Frank Geilfuss vom Bankhaus Löbbecke. Nach zwei bis drei Jahren könnten sich die Konzerne dann förmlich zusammenschließen.Gegen eine Fusion beider Telefonriesen gibt es derzeit vor allem in Spanien Bedenken. "Das erste und größte Unternehmen des Landes darf unter keinen Umständen von der Telekom geschluckt werden", schreiben viele Kommentatoren. Zustimmen müßte auch der spanische Staat, der bei strategischen Entscheidungen der Telefónica ein Vetorecht hat. Für die Manager des spanischen Telefonkonzerns ist die Telekom aber nicht der einzige Kandidat. Die Spanier interessieren sich auch für die France Télécom, mit der sich die Deutschen gerade überworfen haben und die noch ein bißchen größer ist als die deutsche Konkurrenz.Die deutsch-spanische Allianz müßte von den Wettbewerbsbehörden noch genehmigt werden. Zuständig wäre nicht die EU-Kommission, sondern das Bundeskartellamt in Berlin. Da sowohl die Telekom als auch Telefónica mehr als zwei Drittel ihrer Umsätze in einem Mitgliedstaat machen, sind die nationalen Aufsichtsbehörden mit der Sache befaßt. Die Telekom erwirtschaftet 95 Prozent ihrer Umsätze in Deutschland, Telefónica knapp 70 Prozent in Spanien.Wie am Montag weiter bekannt wurde, interessiert sich Mannesmann für das Fernsehkabelnetz der Telekom. Ein Sprecher bestätigte, man wolle ein aktive Rolle beim anstehenden Verkauf des Netzes spielen. Allerdings gebe es noch gewisse Bedingungen der Telekom, die verbessert werden müßten. Ein Angebot in dem bis zum 13. August laufenden ersten Bieterverfahren hat Mannesmann noch nicht abgegeben. Auf vielfältige Kritik bei vielen Kaufinteressenten ist die Absicht der Telekom gestoßen, an den noch zu gründenden neun Regionalgesellschaften eine Sperrminorität zu halten.

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