Wirtschaft : Telekom und Voicestream: John Stanton gilt als Einzelgänger mit globalen Ambitionen

Walter Pfaeffle

John Stanton ist ein Mann mit beneidenswerten Eigenschaften. Sein geschäftlicher Spürsinn, Selbstbewusstsein und Charisma lösen Erstaunen und Bewunderung aus. Mit dem Verkauf seiner vergleichsweise winzigen Mobilfunkfirma Voicestream Wireless Corp für ursprünglich 50,7 Milliarden Dollar an den Schwergewichter Deutsche Telekom AG ist Stanton auch in Europa zum Star geworden. In der neuen Gesellschaft soll Stanton das US-Geschäft leiten. Bislang ist Voicestream mit über 4,4 Millionen Kunden der sechstgrößte Mobilfunkanbieter in den USA. Das soll sich ändern. "Bis Ende 2003 werden sich 170 Millionen Amerikaner für einen Mobilfunker entscheiden", schwärmt Stanton. Voicestream habe beste Chancen, "überdurchschnittlich" viele von ihnen zu gewinnen.

Der 45jährige Einzelgänger hat gute Vorarbeit geleistet. Nach seiner Studienzeit am Whitman College und danach an der Harvard Business School hat Stanton innerhalb von vier Jahren eine Firma für den drahtlosen Telefonverkehr zusammen gebastelt. Er entwickelte ein digitales Mobilfunksystem, das in Unternehmerkreisen noch heute bewundert wird. Stanton erkannte die globale Bedeutung des Mobilfunkstandards GSM früh. Weltweit hat GSM etwa 475 Millionen Kunden, die meisten leben in Japan und Europa. Die Hälfte der zehn Millionen GSM-Kunden in USA bedient Voicestream.

Steve Hooper, der mit Stanton zusammen bei der Firma McCaw Cellular Communications gearbeitet hat, bezeichnet Stanton als einen Menschen, der kein Risiko scheue. GMS sei ein wertvolles Stück seiner globalen Strategie. Andere Freunde und Kollegen bewundern seinen unternehmerischen Weitblick und sein sicheres Auftreten. "Ich wusste immer, dass John erfolgreich sein wird", sagte Tom Alberg, Geschäftsfüher bei Madrona Venture Group und ein früherer McCaw-Kollege. "Niemand konnte ahnen, wie weit es Johns Pieper-Firma bringen würde." Die nötigen Investitionsgelder besorgte sich Stanton bei der British Telecommunications. Alberg begleitete ihn damals nach New York zum Gespräch mit BT-Managern. "Seine Präsentation vor Leuten, die vermutlich viel mehr vom Fach verstanden als er, war schlicht brilliant, und deswegen hat er auch Geld bekommen." Klein anzufangen ist für Stanton nichts Ungewohntes. McCaw war im Vergleich zu den Branchengrößen ein Zwergbetrieb, als Stanton Firmenchef Craig McCaw überredete, die Kabelstrategie zu Gunsten des drahtlosen Geschäfts aufzugeben. McCaw Cellular ging später für elf Milliarden Dollar an die AT&T.

Schon an der Newport High School und am Whitman College faszinierte die Telecom-Industrie Stanton. Später an der Harvard University Business School beschäftigte er sich intensiv mit der drahtlosen Technologie. 1994 machte er mit der Gründung der Firmen General Cellular und Pacific Northwest Cellular erneut von sich reden. Die beiden Firmen wurden danach zusammen gelegt und als Western Wireless weiter geführt. 1996 brachte er Western Wireless an die Börse und beschaffte sich auf diese Weise 600 Millionen Dollar. Seine Begeisterung für globale Strategien wurde mit der Beteiligung an Mobilfunklizenzen in Lappland, Georgien und Ghana deutlich.

Im gleichen Jahr, als die Branche vom analogen auf das digitale System umzustellen begann, gründete Stanton die Voicestream Wireless in mittelgroßen Städten wie Honolulu und Salt Lake City. 1997 war Voicestream mit 130 000 Kunden die am schnellsten wachsende aber am wenigsten bekannte Mobilfunkgesellschaft. Dank einer Investition von Hutchison Whampoa stieg die Kundenzahl 1998 auf 322 400. Im Mai 1999 - die Börse befand sich auf einem Höhenflug - verkaufte Stanton 80 Prozent von Voicestream. Damit verfügte er über genügend Mittel für eine Einkaufstour: Er übernahm die beiden GSM-Rivalen Omnipoint und Aerial. Die Grundlage für den Verkauf an die Deutsche Telekom vier Jahre später war damit geschaffen.

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