Wirtschaft : Telekom verkauft ihre letzten Kabelnetze

Finanzkonsortium um Goldman Sachs zahlt bis zu 2,1 Milliarden Euro/Kritik von den Landesmedienanstalten

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Berlin (mot/vis). Die Deutsche Telekom hat die restlichen Teile des Kabelnetzes für 1,725 Milliarden Euro an ein Konsortium aus Finanzinvestoren verkauft. Die Telekom teilte am Dienstag mit, der in bar zu zahlende Kaufpreis erhöhe sich „in Abhängigkeit von der zukünftigen Wertentwicklung des Kabelgeschäftes um bis zu 375 Millionen Euro“. Dies sei mit den Investoren Apax Partners, Goldman Sachs Capital Partners und Providence Equity vereinbart worden. Der Verkauf der verbliebenen sechs KabelTV-Regionen mit insgesamt 2400 Mitarbeitern muss noch von den Kartellbehörden genehmigt werden. Zuständig ist nach Auskunft der Telekom die EU-Wettbewerbsbehörde.

Die Telekom schließt mit dem Geschäft den vor drei Jahren begonnenen Verkauf der Geschäftssparte später als geplant ab. Ursprünglich sollten die sechs noch verbliebenen Teile des bundesweiten TV-Netzes mit rund zehn Millionen angeschlossenen Kunden bereits Anfang 2002 einen neuen Eigentümer bekommen. Der mit dem US-Medienkonzern Liberty Media vereinbarte Verkauf der Gesellschaften in Nord- und Ostdeutschland sowie in Rheinland-Pfalz und Bayern für 5,5 Milliarden Euro scheiterte jedoch am Veto des Bundeskartellamts. Da Liberty zugleich Betreiber und Programm-Lieferant für das deutsche Fernsehkabel geworden wäre, sah das Kartellamt eine marktbeherrschende Stellung des Konzerns.

Mit dem Kabelnetz-Verkauf kommt die Telekom dem Ziel, ihren Schuldenberg von 64 Milliarden Euro abzubauen, nun zwar näher. Mit maximal 2,1 Milliarden Euro fällt der Erlös aber deutlich niedriger aus als noch beim Amtsantritt des neuen Telekom-Chefs Kai- Uwe Ricke erwartet. Finanzvorstand Karl- Gerhard Eick bekräftigte gleichwohl, die Telekom sei damit auf gutem Wege, die Nettoverschuldung bis Ende des Jahres auf das Dreifache des Konzernergebnisses – etwa 50 bis 52 Milliarden Euro – zu senken.

Die Landesmedienanstalten kritisierten den Verkauf des Kabels an branchenfremde Finanzinvestoren. „Wenn es dabei bliebe, dass nur der Besitzer des Kabels gewechselt hat, dann wäre dies kein positives Signal für die digitale Entwicklung des Netzes“, sagte Norbert Schneider, Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM), dem Tagesspiegel. „Wir hoffen, dass die Klärung auf der Eigentümerebene – wenn nicht sofort, dann mittelbar – den Weg frei macht, um den Wert des deutschen TV-Kabels zu steigern.“ Das marode Kabel der Telekom ist bislang technologisch eine Einbahnstraße. Erst der Ausbau zum Breitbandkabel schafft einen Rückkanal, der schnelle Internetanwendungen, interaktives Fernsehen und weitere digitale Angebote ermöglicht. Die DLM hatte in der Vergangenheit davor gewarnt, dass das erste Interesse von Finanzinvestoren nicht die Modernisierung des Netzes, sondern eine möglichst hohe Rendite sei. Beim Verkauf der Kabelnetze müsse sich zeigen, ob die Kunden mit höheren Preisen lediglich zum Abbau der Schulden der Telekom beitragen sollen, oder ob es noch eine Chance auf Investitionen und damit neue Angebote im Kabel gebe. „Wir wollen jetzt natürlich wissen, was die neuen Eigentümer mit dem Kabel vorhaben“, sagte DLM-Chef Schneider.

Nach Informationen des Tagesspiegel planen die neuen Eigentümer zunächst keinen flächendeckenden Ausbau des Kabelnetzes. In einem ersten Schritt soll nur das inhaltliche Angebot an digitalen und Fremdsprachen-Programmen erweitert werden. Die Inhalte wollen die Eigentümer nicht selbst entwickeln, sondern zukaufen. Mittelfristig sei auch ein Angebot von Videos auf Bestellung geplant. Das Kabel soll in einem zweiten Schritt nur dort aufgerüstet werden, wo nachweislich ein Interesse der Kunden an einem schnellen Internetzugang über das Kabel bestehe. Eine Gebührenerhöhung ist nach Informationen des Tagesspiegel nicht geplant. Die Telekom hatte zuletzt im November die Kabelgebühren angehoben. Die neuen Investoren wollen dem Vernehmen nach das Kabelnetz frühestens nach fünf Jahren wieder verkaufen. Von dem möglichen Wertzuwachs hängt es dann auch ab, ob die Telekom weitere 375 Millionen Euro erhält.

Die T-Aktie büßte am Dienstag zunächst deutlich ein. Zum Schluss erholte sie sich auf 12,15 Euro (minus 0,08 Prozent). Ralf Hallmann, Analyst der Bankgesellschaft Berlin, bezeichnete den Kabel-Verkauf als „gutes Geschäft, weil die Telekom das Netz endlich losgeworden ist“. Der deutlich niedrigere Erlös sei den veränderten Marktbedingungen geschuldet: Viele Kabelbetreiber sind inzwischen bankrott, nur wenige Investoren waren zuletzt überhaupt noch am deutschen Kabel interessiert. „Es hat lange gedauert, aber es ist gut, dass die Telekom das Kapitel Kabelnetz jetzt beendet hat“, sagte Hallmann.

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