Wirtschaft : Telekom verliert ein Drittel der Ferngespräche

BONN (aho).Im ersten Jahr des Telefonwettbewerbs haben die neuen Anbieter zahlreiche Kunden gewonnen.Wie Klaus-Dieter Scheurle, Präsident der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RTP) am Freitag in Bonn sagte, wickeln die Unternehmen täglich bis zu einem Drittel aller Ferngespräche über ihre Netze ab.Insgesamt telefonierten die Verbraucher 1998 etwa elf Mrd.Minuten über die neuen Gesellschaften.Sie erzielten damit einen Umsatz von 2,5 Mrd.DM.Zum Vergleich: Die Deutsche Telekom dürfte Ende des Jahres 183 Mrd.Gesprächsminuten verzeichnen, 5,5 Prozent mehr als im Vorjahr.Der Festnetz-Umsatz des ehemaligen Monopolisten wird voraussichtlich leicht steigen und bei 49 Mrd.DM landen.

Von dem Wettbewerb hätten auch die Verbraucher profitiert, sagte Scheurle.Inländische Ferngespräche zu den Hauptzeiten zwischen 9 und 12 Uhr haben sich um bis zu 70 Prozent verbilligt, verglichen zum Vorjahr.Auch im kommenden Jahr werden die Bürger günstiger telefonieren können.Die Deutsche Telekom senkt die Preise Anfang Januar für Ferngespräche um bis zu 63 Prozent.Die Wettbewerber haben ebenfalls niedrigere Tarife angekündigt.Insgesamt wuchs der Telekommunikationsmarkt in den letzten zwölf Monaten um 6,5 Prozent auf 100 Mrd.DM Umsatz.Die Firmen investierten 11,6 Mrd.DM in stationäre Netze, wovon allein zehn Mrd.DM die Telekom aufwendete.

Derzeit arbeiten 319 000 Menschen in den Sparten Telefondienstleistungen und Gerätehersteller.Der Zuwachs an neuen Arbeitsplätzen durch den Wettbewerb läßt sich nicht genau quantifizieren, sagte Scheurle.Im engeren Telekommunikationssektor hätten sich die Stellen leicht verringert, auch weil die Deutsche Telekom zwischen 1994 und 2000 insgesamt 60 000 Arbeitsplätze abbaut.Dagegen seien durch den Wettbewerb mittelbar in anderen Zweigen 150 000 Jobs entstanden, etwa bei Medien, Call-Centern oder in der Informationstechnik.Damit korrigierte Scheurle frühere Aussagen der Behörde, wonach durch den Wettbewerb allein in diesem Jahr 90 000 Arbeitsplätze entstanden sind.

Besonders kräftig entwickelten sich die Sparten Mobilfunk sowie Online- und Internet-Dienste.Ende Dezember werden 13,5 Millionen Menschen mobil über D1, D2, E1, E2 und das analoge C-Netz telefonieren, fast zwei Drittel mehr als im Vorjahr.Von 2002 soll der neue Mobilfunk-Standard UMTS (Universal Mobile Telecommunications Systems) den heutigen Standard GSM ablösen.UMTS ist leistungsfähiger und kann mehr Daten schneller durch den Äther schicken.Allerdings brauchen die Benutzer dann neue Handys.

Immer mehr Verbraucher gehen auch online.Die Zahl der Internet-Nutzer kletterte hierzulande in den vergangenen zwölf Monaten um 800 000 auf sieben Millionen.Der gesamte Markt für Internetleistungen liegt laut Scheurle derzeit bei 5,8 Mrd.DM Umsatz.Im Jahr 2000 wird er bei 8,7 Mrd.DM liegen, und bis zur Jahrtausendwende könnte jeder vierte Haushalt einen Zugang zum World Wide Web haben.Derzeit ist es jeder zwölfte.

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