Wirtschaft : Telekom vor dem Streik

Urabstimmung läuft / Auch Wettbewerber besorgt

Nils-Viktor Sorge

Düsseldorf/Köln - Die Mitarbeiter der Deutschen Telekom machen mit ihrer Streikdrohung offenbar Ernst. An der Urabstimmung über einen flächendeckenden Streik hätten am ersten Tag viele Beschäftigte teilgenommen, hieß es am Montag bei der Gewerkschaft Verdi. „Wir werden locker über die nötige Marke von 75 Prozent kommen“, sagte Verdi-Bundesvorstand Lothar Schröder. Etwa 13 000 Mitarbeiter legten demnach die Arbeit vorübergehend nieder.

In dem Konflikt geht es um die Auslagerung von 50 000 Mitarbeitern in den neuen Bereich T-Service, die mit Arbeitszeitverlängerungen und geringerer Bezahlung einhergehen soll. Konzernchef René Obermann will mit den Einsparungen den Kundenverlusten der Telekom im Festnetz begegnen.

Streikbedingte Einnahmeverluste will sich das Unternehmen von Verdi wiederholen, kündigte ein Sprecher am Montag an. Das Unternehmen habe beim Amtsgericht Bonn Feststellungsklage eingereicht, sagte er. Auf diese Weise wolle der Konzern die Grundlage für Schadenersatzansprüche schaffen.

Auch viele Wettbewerber der Telekom wie Alice, Arcor und Netcologne sehen den Streik beim Ex-Monopolisten mit Sorge. „Ein Streik könnte massive Auswirkungen für uns haben“, sagte der Präsident des Bundesverbandes Breitbandkommunikation (Breko), Peer Knauer, in Köln. Obwohl die 40 im Verband organisierten Unternehmen über eigene Leitungen verfügen, sind sie auf der „letzten Meile“ zum Kunden auf die Telekom angewiesen. Knauer rechnet vor allem bei der Werbung von Neukunden mit Schwierigkeiten. Deren Anschlüsse schalten Telekom-Techniker für die Konkurrenz frei.

Ein Streik könnte das rasante Kundenwachstum der Unternehmen etwas bremsen, fürchten diese. Für das laufende Jahr peilen die Breko-Firmen die Marke von 5,8 Millionen schneller DSL-Anschlüsse (gegenüber 3,9 Millionen in 2006) an. Der Umsatz soll von 4,4 Milliarden auf 4,9 Milliarden Euro zulegen. Dabei entstehen auch neue Jobs: Bis Jahresende wollen die Telekom-Konkurrenten bis zu 1000 Stellen schaffen und dann 10 000 Mitarbeiter beschäftigen.

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