• Telekom-Vorstand attackiert Bundesregierung Dienstrecht zu unflexibel – kein Spielraum für Entlassungen

Wirtschaft : Telekom-Vorstand attackiert Bundesregierung Dienstrecht zu unflexibel – kein Spielraum für Entlassungen

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Düsseldorf (dc/slo/HB). Die Deutsche Telekom sieht auch nach dem Abgang von Vorstandschef Ron Sommer keinen Spielraum, den Sparkurs im Personalbereich spürbar zu verschärfen. Dafür ist nach Ansicht von Personalvorstand Heinz Klinkhammer die Bundesregierung mitverantwortlich: Diese habe bisher nichts unternommen, das Dienstrecht für die nach wie vor 53 000 Beamten des Telekom-Konzerns zu flexibilisieren. „Wir haben immer wieder Vorstöße unternommen, um bei der Bundesregierung eine Lockerung durchzusetzen“, sagte Klinkhammer dem Handelsblatt. „Aber man stößt ständig auf Bedenken gegen notwendige Sonderregelungen.“

Die Beamten sind durch ihren Status vor Kündigung geschützt. Zugleich ist die Telekom bei ihnen an das Dienstrecht gebunden, das auch in Behörden gilt. Dies sei aber nicht mit den Flexibilitätserfordernissen eines Telekommunikationskonzerns vereinbar, sagte Klinkhammer. In Kreisen der Regierung hieß es, Änderungen seien „rechtlich sehr schwierig“ und derzeit „kein Thema".

Sommers Interimsnachfolger Helmut Sihler hatte angekündigt, den Schuldenabbau im Konzern zu beschleunigen. Dafür sollen die Kosten jährlich um mehr als eine Milliarde Euro verringert und Investitionen in das Mobilfunk- und Festnetz sowie Ausgaben für Werbung und Beratung heruntergefahren werden. Sihler, der das Amt vor zwei Wochen übernommen hatte, will das Maßnahmepaket voraussichtlich bei Vorlage der Halbjahreszahlen am 21. August erläutern.

Analysten fordern, dass die Telekom vor allem im Festnetzgeschäft Stellen streicht und effizienter wird. Sie halten dort einen Abbau von 20 000 Stellen für möglich.

Personalvorstand Klinkhammer kündigte unterdessen an, die Telekom werde noch in diesem Jahr bis zu 7000 Mitarbeiter in eine Beschäftigungsagentur ausgliedern und so den Stellenabbau forcieren. „Wir schaffen mit unserer Personalservice-Agentur bereits jetzt ein Instrument, das für den Chef der Bundesanstalt für Arbeit noch Zukunftsmusik ist“, sagte er. In der Beschäftigungsagentur sollen überzählige Mitarbeiter unterkommen und dort weiterqualifiziert werden.

Der Konzern will externe Zeit-Arbeitnehmer durch eigene Leuten ersetzen und dadurch Geld sparen. Gleichzeitig sollen die Agentur-Mitarbeiter an andere Unternehmen vermittelt werden. „Erste Anfragen haben wir bereits erhalten“, sagte Klinkhammer. Die Agentur soll noch in diesem Monat ihre Arbeit aufnehmen.

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