Wirtschaft : Telekom-Vorstand stürzt über Siemens-Skandal Pauly soll von Schmiergeldzahlungen gewusst haben

N. Sorge/N. Huss

Düsseldorf/München - Der Schmiergeldskandal im Siemens-Konzern bringt nun auch die Deutsche Telekom in die Klemme. Deren Geschäftskundenvorstand Lothar Pauly, ein ehemaliger Siemens-Manager, legte am Donnerstag seinen Posten nieder. Pauly war in den Verdacht geraten, als Vorstand der Kommunikationssparte beim Münchner Konzern von Schmiergeldzahlungen gewusst zu haben, mit denen sich der Konzern Aufträge im Ausland erkauft haben soll. Paulys Aufgaben bei der Telekom übernimmt zunächst Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick.

Paulys Anwalt Kurt Kiethe wollte gegenüber dem Tagesspiegel zu den Vorwürfen nicht Stellung nehmen und verwies auf eine frühere Erklärung, in der Pauly die Anschuldigungen zurückweist. „Pauly wird im besten gegenseitigen Einvernehmen aus dem Unternehmen ausscheiden“, teilte die Deutsche Telekom mit. Er habe Schaden vom Konzern abwenden wollen, der durch die langwierige Aufklärung der Vorwürfe entstanden wäre, war zu hören. Demnach liegen der Telekom keine neuen Erkenntnisse gegen Pauly vor. Die Diskussion sei für den Konzern aber belastend. „Jeder Topmanager versteht, dass das Unternehmen 100 Prozent seiner Aufmerksamkeit verlangt.“

Die Telekom gerät durch Paulys Abgang noch schwerer in Turbulenzen. Die Beschäftigten streiken, zudem belastet die Dopingaffäre des Radrennstalls T-Mobile das Unternehmen. Die Geschäftskundensparte T-Systems, der Pauly vorstand, sucht derzeit einen Partner, den das Unternehmen möglichst in diesem Jahr präsentieren will. „An dem Zeitplan ändert sich nichts“, sagte ein Unternehmenssprecher.

Spekulationen über die Verwicklung Paulys in den Siemens-Schmiergeldskandal gibt es schon seit einiger Zeit. Drei geständige Manager, darunter der ehemalige Com-Finanzchef Michael Kutschenreuter, haben ausgesagt, Pauly sei über die Korruptionspraxis im Bilde gewesen. Pauly wies die Anschuldigungen über seinen Anwalt zurück. Laut einem Magazinbericht ermittelt die Staatsanwaltschaft München jedoch gegen Pauly. Staatsanwalt Anton Winkler wollte das am Donnerstag nicht bestätigen. „Dazu können wir uns derzeit nicht äußern“, sagte er.

Bis zu seinem Amtsantritt bei der Telekom im Oktober 2005 hatte Pauly sein ganzes Berufsleben bei Siemens verbracht. Im Oktober 2004 übernahm er die Leitung der Kommunikationssparte Com mit 60 000 Mitarbeitern. Doch obwohl der 48-Jährige mehr als tausend Arbeitsplätze strich, gelang die Wende bei der kriselnden Sparte nicht.

Die Com-Sparte von Siemens steht seit Monaten im Zentrum der Ermittlungen der Justiz. Jahrelang sollen Millionenbeträge in schwarze Kassen verschoben und bei Auslandsaufträgen als Schmiergeld eingesetzt worden sein. Auch als Pauly Com-Chef war, sollen erhebliche Summen auf Geheimkonten geflossen sein. Siemens selbst schätzt den Gesamtschaden auf mindestens 420 Millionen Euro.

Zudem steht der Konzern im Verdacht, jahrelang Betriebsräte der Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger (AUB) bezahlt zu haben, damit sie der Linie des Vorstands folgen. Am Donnerstag kündigten sechs Räte am weltweit größten Siemens-Standort Erlangen an, die AUB zu verlassen. „Wir sind uns einig, in einer solchen Organisation mit unseren Idealen nichts mehr verloren zu haben“, erklärten sie. N. Sorge/N. Huss

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