Wirtschaft : Telekom: Wenig Antwort für so viele Fragen. Ein Kommentar von Corinna Visser

Wir stehen vor einem Scherbenhaufen, sagen die Aktionäre. Zerschlagen sind die Hoffnungen auf einen kontinuierlich steigenden Kurs, auf eine schöne jährliche Zusatzrente, wie sie Telekom-Chef Ron Sommer vor dem Börsengang versprochen hatte. Da hätten wir unser Geld ja besser auf ein Sparbuch legen können, werfen sie ihm vor. Unbefriedigend sei die Kursentwicklung, gibt Sommer zu. Unbefriedigend sind aber auch die Antworten, die der Telekom-Chef auf die Frage gibt: Wie wollen Sie die T-Aktie aus ihrem Tief wieder hervorholen?

Die Telekom sei erstklassig positioniert, nur im Kurs spiegele sich das nicht wieder. Keine gute Antwort. Wenn der Markt die enormen Potenziale der Telekom nicht erkennt, dann muss es erste Aufgabe des Managements sein, für eine bessere Darstellung des Unternehmens in der Öffentlichkeit zu sorgen. Das hat der Vorstand jetzt offenbar erkannt und beschlossen die Erfolge der Telekom künftig besser zu kommunizieren. Vorausgesetzt natürlich, es gibt etwas zu kommunizieren.

Der Telekom sei es nicht gelungen, sich von der allgemeinen negativen Marktentwicklung der Technologiewerte abzukoppeln. Auch keine gute Antwort. Die Sturz der Aktien trifft zwar viele Unternehmen. Aber längst nicht alle, und nicht alle im gleich stark. Darauf haben auch die Aktionäre Ron Sommer hingewiesen. Während der Dax im vergangenen Jahr 14 Prozent einbüßte, der europäische Branchenindex der Telekommunikationsbranche 38 Prozent verlor, gab die T-Aktie 55 Prozent ab. Telefonica lag nur elf Prozent im Minus. Es ist also durchaus möglich, sich vom allgemeinen Markttrend abzusetzen.

Neue Strategien, neue Ideen, die dem Kurs der T-Aktie einen kräftigen Schub nach oben geben könnten, gab es für die Aktionäre am Dienstag nicht. Im Gegenteil. Auf ihre Fragen, auf ihre Sorgen, wie es etwa in den USA mit Voicestream weitergeht, wann der Börsengang von T-Mobile ansteht, ob Altaktionäre bei diesem Börsengang diesmal bevorzugt behandelt werden, gab es die immer gleichen Antworten. Es mag jetzt nicht der Zeitpunkt für große neue Ankündigungen sein. Unbefriedigend für die Aktionäre ist es trotzdem.

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