Wirtschaft : Telekom: "Wer will schon T-Aktien?"

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Telekom-Vorstandschef Ron Sommer hat seine Firmenstrategie gegen heftige Kritik der Aktionäre verteidigt. Bei der Telekom-Hauptversammlung rechtfertigte Sommer am Dienstag in Köln vor 9500 Anlegern den Kauf der US-Mobilfunkfirmen Voicestream und Powertel, das Vorgehen bei der UMTS-Auktion und die Bewertung des Immobilienbesitzes. Er bedauerte den drastischen Wertverlust der Telekom-Aktien.

Ron Sommer selbst bezeichnete den Kursverlauf der T-Aktie als absolut unbefriedigend. Mittlerweile mehrten sich aber die Anzeichen, dass eine Bodenbildung erreicht sein könnte. "Ich bin zutiefst überzeugt, dass wir aus unserem Kurstief herauskommen und erneut eine positive Entwicklung vollziehen werden, sobald sich die allgemeine Marktstimmung wieder ändert." Grafik: Die Telekom-Aktie "200 Milliarden Euro in einem Jahr - so eine Kapitalvernichtung hat es in Deutschland noch nicht gegeben," warf indes Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) dem Telekom-Vorstand vor. "Unser teuer verdientes Geld wäre auf dem Sparbuch besser angelegt als in Ihren Händen." Er forderte den Vorstandschef auf: "Bringen Sie wieder Ruhe in den Kurs." Wer seit dem ersten Börsengang bei allen drei Tranchen in T-Aktien investiert habe, sagte Klaus Martini, Leiter des Aktienfondsmanagements der DWS, habe heute keinen Gewinn mehr. Die DWS, Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, hält 0,8 Prozent des Grundkapitals an der Telekom. Der schwer verdauliche Telekom-Kurs sei den Anlegern auf den Magen geschlagen, sagte Martini. Daher werde es für den Bund, der immer noch knapp 60 Prozent an der Telekom hält, schwer werden, weitere Aktien zu platzieren. "Wer soll die Aktien kaufen", fragte Martini.

Eine klare Strategie der Telekom vermisste Rolf Drees, Vertreter der Union-Investment-Gruppe, die für ihre Anleger mehr als 15 Millionen T-Aktien hält. Drees kündigte an, dass Union Investment sich bei der Entlastung des Vorstands enthalten wolle. Weiterhin sagte er, dass die Gesellschaft den vom Vorstand vorgeschlagenen Aktionopti-onsplan ablehne. Der Plan sieht vor, dass die Berechtigten nach einer Sperrfrist von zwei Jahren die Aktienoption erstmals ausüben können, wenn der Kurs der Aktie um mindestens 20 Prozent gestiegen ist.

Ebenso werde Union Investment keine Ermächtigung zur Ausgabe von Wandelanleihen und der Schaffung bedingten Kapitals erteilen. "Es gibt keinen Grund, dem Vorstand zusätzliches Kapital anzuvertrauen", sagte Drees. "In anderen Händen ist das Kapital besser aufgehoben."

Viele Fragen hatten die Aktionäre zu der Neubewertung des Immobilienvermögens der Telekom. Das Unternehmen hatte bei seinen Immobilien im Februar eine Wertberichtigung von zwei Milliarden Euro vorgenommen. "Das hat uns überrascht", sagte Martini. "Wir haben deutlich mehr Transparenz erwartet". Auch Lars Labryga von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) beklagte das Informationswirrwarr. Sommer sagte, dass die Neubewertung notwendig geworden sei, weil sich die Telekom nun verstärkt von Grundstücken trennen wolle. Ein weiterer Wertberichtigungsbedarf bestehe aber nicht mehr.

Zu dem Vorwurf, die Telekom habe zuvor falsche Angaben gemacht, sagte Sommer, die Eröffnungsbilanz und alle folgenden Bilanzen seien ordnungsgemäß aufgestellt worden. Mögliche Prospekthaftungsklagen seien ungerechtfertigt. "Ich bin zuversichtlich, dass das Ergebnis der staatsanwaltlichen Ermittlungen, die aufgrund einer Strafanzeige aufgenommen werden mussten, am Ende die Unbegründetheit der Vorwürfe offenbart," sagte Sommer. Die unter anderem von der DSW geforderte Sonderprüfung des Immobilienvermögens lehnte Sommer ab.

Im laufenden Jahr will die Telekom den Konzernumsatz um mehr als 15 Prozent steigern. Dabei seien die Umsatzbeiträge der neuen US-Beteiligungen Voicestream und Powertel noch nicht berücksichtigt. Auf Fragen der Aktionäre, ob die Telekom für Voicestream nicht zuviel bezahlt habe, sagte Sommer, dass sich mit den Akquisitionen bereits kurzfristig Wachstumspotenzial eröffne, über das kein Wettbewerber verfüge. Es ergäben sich gute Perspektiven für globale Produkte, die "nur die Telekom auf Basis ihres lückenloses GSM-Mobilfunknetzes anbieten kann". Weitere Akquisitionen plane die Telekom derzeit nicht. Und es sei auch keine Eile geboten: "Die Zahl der zum Verkauf stehenden Unternehmen, wächst mit jedem Quartal."

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