Wirtschaft : Telekom wertet Immobilien erneut ab

msh/cha/dri/HB

Die Deutsche Telekom AG muss den Wert ihrer Grundstücke um weitere 900 Millionen Mark nach unten korrigieren. Nach der Auswertung mehrerer Gutachten sei die Neubewertung aller Grundstücke des Konzerns jetzt abgeschlossen, sagte Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick am Donnerstag. Es ergebe sich ein Abwertungsbedarf von insgesamt 4,9 Milliarden Mark gegenüber der Eröffnungsbilanz der Telekom AG von 1995. Vier Milliarden Mark davon sind bereits in der Bilanz des Jahres 2000 berücksichtigt worden. Die neue Wertberichtigung ( siehe Lexikon ) kann das Ergebnis der Telekom in diesem Jahr nach Steuern um bis zu 500 Millionen Mark nach unten drücken, heißt es in der Branche. Die Telekom, für die Analysten 2001 ohnehin einen Verlust von zwei Milliarden Euro erwarten, wollte dies nicht kommentieren.

Im Frühjahr hatte die Telekom erstmals eingeräumt, dass sie ihren Immobilienbesitz in ihrer Eröffnungsbilanz deutlich zu hoch angesetzt hatte. Damals gab die Telekom den Wertberichtigungsbedarf mit vier Milliarden Mark an, kündigte aber eine weitere Prüfung an. Die T-Aktie war daraufhin eingebrochen und zahlreiche Kleinaktionäre klagten gegen das Unternehmen. Ihr Vorwurf: Spätestens bei der dritten Ausgabe von Telekom-Aktien im Mai 2000 habe die Führungsriege des Konzerns bereits gewusst, dass die Liegenschaften falsch bewertet sind. Die Börsenprospekte enthielten daher falsche Angaben. Die Aktionäre erhoffen sich jetzt Schadenersatz auf Grundlage des Prospekthaftungsgesetzes, da der Wert ihrer T-Aktien stark eingebrochen ist.

Nach Angaben der Telekom beträgt der Buchwert der 11 527 Liegenschaften acht Milliarden Mark. Den aktuellen Wiederverkaufswert setzt Finanzvorstand Eick mit 10,8 Milliarden Mark an, woraus sich eine so genannte stille Reserve von 2,8 Milliarden Mark ergebe. Auch das habe die Überprüfung mit Hilfe externer Sachverständiger ergeben. Das deutsche Handelsrecht erlaube es aber nicht, Wertsteigerungen bei Grund und Boden in späteren Bilanzen gutzuschreiben. Dagegen sei die Abwertung in der Bilanz für Grundstücke, die an Wert verloren hätten, zwingend vorgeschrieben.

Der Telekom-Finanzchef unterstrich, die nach rund einjähriger Arbeit jetzt abgeschlossene Bewertung jedes einzelnen Grundstücks bestärke die Telekom in der Überzeugung, dass die pauschale Bewertung der Grundstücke mit 12,9 Milliarden Mark in der Eröffnungsbilanz zum 1. Januar 1995 in Ordnung gewesen sei. Ein Unterschied von deutlich weniger als 20 Prozent in dem jetzt vorgenommenen Neuansatz sei im Immobilien-Sektor nach Einschätzung der Experten und nach ständiger Rechtsprechung "nicht unüblich". Die gesetzlichen Vorschriften seien eingehalten worden.

Staatsanwalt prüft

Die Bonner Staatsanwaltschaft ist von der Telekom über die erneute Wertberichtigung des Immobilienvermögens informiert worden. Die Angaben würden nun im anhängigen Ermittlungsverfahren geprüft, sagte Fred Apostel, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Ein Ende des Ermittlungsverfahrens gegen Telekom-Chef Ron Sommer sei noch nicht in Sicht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Fehlbewertung des Immobilienvermögens gegen die Spitzenmanager der Telekom.

Rund 250 weitere Verfahren von Kleinaktionären sind beim Landgericht Frankfurt (Main) anhängig. Sie hatten sich bei der dritten Tranche mit T-Aktien eingedeckt und hohe Verluste mit den Papieren gemacht. Sie fordern Schadenersatz aus Prospekthaftung, da der Börsenprospekt falsche Angaben enthalten habe. "Die Manager der Telekom haben beim dritten Börsengang bereits gewusst, dass die Zahlen in der Bilanz falsch sind. Das möchten wir vor Gericht beweisen", sagt Rechtsanwalt Jens-Peter Gieschen, der zahlreiche T-Aktionäre vertritt. Gieschen rechnet in den nächten Tagen mit einer Stellungnahme der Telekom.

Der Kurs der Telekom-Aktie verlor nach der Ankündigung des Unternehmens bis zum Nachmittag 1,91 Prozent auf 19,02 Euro. "Die 900 Millionen Mark schlagen deutlich auf die Bilanz durch", sagte Telekom-Analyst Theo Kitz vom Bankhaus Merck Finck. Das Vertrauen der Anleger sei durch die Berichtigungen angeschlagen. Unterstützend wirkte sich nach Einschätzung von Händlern allerdings der Verkauf von Rechnungsforderungen aus dem Festnetzgeschäft aus. Damit will die Telekom ihre Schulden abbauen. Der erste Teilbetrag in Höhe von 2,74 Milliarden Mark ist nach Angaben des Konzerns veräußert worden.

Außerdem bündelt die Telekom das Geschäft mit Antenneninfrastruktur im kommenden Jahr in einer eigenständigen Gesellschaft. Die Gesellschaft soll für die Beteiligung Dritter geöffnet werden. Ob die Telekom dabei auch bereit ist, einen Mehrheitspartner zu akzeptieren, ließ Eick offen. Auch von der Ausgliederung erhofft sich die Telekom zusätzliche Einnahmen für den Schuldenabbau.

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