Wirtschaft : Telekom: Wie viel Wettbewerb erträgt Amerika? (Kommentar)

Corinna Visser

Was lange währt, wird endlich ziemlich teuer. Gebetsmühlenartig wiederholte Telekom-Chef Ron Sommer in den vergangenen Monaten immer wieder, dass er aus dem deutschen Konzern ein Global Player machen werde. Doch bisher konnte er außer dem Erwerb von One-2-One und Beteiligungen in Osteuropa keine Expansionserfolge vorweisen. Die traurige Bilanz im vergangenen Geschäftsjahr: Gerade mal acht Prozent setzte die Telekom außerhalb des Landes um. Und jetzt die Voicestream-Übernahme.

Wer kennt Voicestream? Der Mobilfunkanbieter ist gerade mal die Nummer fünf auf dem amerikanischen Markt. Allerdings ist Voicestream auch der am kräftigsten wachsende Anbieter. Und es gibt noch viel zu wachsen in den USA. Im Mobilfunk hinken die Amerikaner Europa weit hinterher. Der Vorteil von Voicestream: Das Unternehmen aus Bellevue im Staat Washington arbeitet mit dem gleichen Mobilfunkstandard wie die Telekom und der Rest Europas - für den potenziellen Übernahmekandidaten Sprint gilt das nicht. Der Nachteil allerdings: Voicestream bietet nur Mobilfunk, für alles andere muss die Telekom weiter zukaufen.

Und obwohl die Telekom nun Geld und Mobilfunk-Sachverstand in die USA bringt, ist sie dort nicht erwünscht. In Wahlkampfzeiten agieren die Amerikaner gern patriotisch: Unternehmen in ausländischem Staatsbesitz dürften nicht das Sagen in US-Firmen bekommen, ginge es nach einigen, mächtigen Senatoren. Ron Sommer muss jetzt doppelt leiden: In Deutschland fühlt er sich von seinem Mehrheitseigner im Stich gelassen und in den härtesten Wettbewerb geschickt. In den USA wirft man ihm dagegen vor, Handlanger des Staates zu sein. Tatsächlich kann man dem Bund nicht vorwerfen, die Telekom in Schutz genommen zu haben. Im Gegenteil. Im Wettbewerb musste die Telekom lernen, sich durchzubeißen. Sie ist besser geworden. Die amerikanischen Konzerne könnten von ihr lernen - wenn man sie nur lässt.

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