Wirtschaft : Telekom will Dividende zahlen – aber erst später

Konzern-Chef Ricke verspricht den Aktionären für 2004 eine Ausschüttung – Mautbetreiber Toll Collect macht bis 2015 Verluste

Corinna Visser

Köln – Aktionäre, Investoren und Anlegervertreter haben die Deutsche Telekom heftig dafür kritisiert, dass das Unternehmen für das vergangene Geschäftsjahr erneut keine Dividende zahlen wird. Konzern-Chef Kai-Uwe Ricke sagte auf der Hauptversammlung der Telekom am Dienstag in der Kölnarena, der Verzicht auf die Ausschüttung einer Dividende für die Jahre 2002 und 2003 habe den Schuldenabbau – und damit das Unternehmen – deutlich vorangebracht. „Wir werden uns mit aller Kraft dafür einsetzen, Ihnen im kommenden Jahr eine Dividende vorschlagen zu können“, sagte Ricke.

Der Bund, mit rund 43 Prozent der Anteile immer noch größter Aktionär der Telekom, begrüßte hingegen, dass die Telekom vorrangig die Schulden abbauen wolle. Ein Sprecher des Finanzministeriums sagte dem Tagesspiegel, letztlich füge sich der Dividenenausfall in die Unternehmensstrategie, die man durchaus positiv bewerte.

Ralf Oberbannscheidt, Fondsmanager bei Europas größter Fondsgesellschaft DWS, sagte dagegen, die finanzielle Bewegungsfreiheit der Telekom habe sich verbessert. „Wir würden die Wiedereinsetzung einer höheren Dividende als in der Vergangenheit begrüßen.“ Auch der Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Hans Richard Schmitz, argumentierte, das Zahlenwerk des Unternehmens „hätte eine Ausschüttung leicht hergegeben“. Eine Dividende hätte vielleicht auch dem Aktienkurs etwas auf die Sprünge geholfen, sagte Schmitz.

„Ich ärgere mich“, sagte Ricke, weil die positive Wende des Konzerns sich noch nicht „in angemessener Weise in unserem Aktienkurs ausdrückt“. Tatsächlich konnte der Konzernchef auf der Hauptversammlung darauf verweisen, dass das Unternehmen nach dem katastrophalen Jahr 2002 mit einem Rekordverlust von knapp 25 Milliarden Euro im vergangenen Jahr die Wende geschafft hat. Ende 2003 hatte der Konzern die Schulden auf 46,6 Milliarden Euro reduziert und mit 1,3 Milliarden Euro auch wieder einen Überschuss erzielt. „Wäre da nicht der Makel mit der Maut gewesen – ich wäre mit dem vergangenen Geschäftsjahr zufrieden", sagte der Vorstandschef.

Die von Pannen begleitete Lkw-Maut, die nun zum 1. Januar 2005 startklar sein soll, hat die Bilanz des vergangenen Jahres mit 442 Millionen Euro belastet. Im ersten Quartal 2004 hatte die Telekom erneut eine Rückstellung von 148 Millionen Euro vorgenommen. Die Mautbetreibergesellschaft werde bis zum Ende der Vertragslaufzeit im Jahr 2015 Verluste ausweisen, sagte Telekom-Finanzchef Karl-Gerhard Eick. Nicht berücksichtigt bei den Rückstellungen habe der Konzern, dass der Bund als Auftraggeber des Mautsystems noch einen Schadenersatz für entgangene Erträge in Höhe von 3,5 Milliarden Euro fordert. Die Ansprüche des Bundes seien „nicht berechtigt“, sagte Eick.

Spekulationen, Ricke bereite einen radikalen Umbau des Konzerns vor, trat der Telekom-Chef entgegen: „Wir werden hier evolutionär agieren und nicht den gesamten Konzern auf den Kopf stellen.“

BREITBAND

Höherwertige, breitbandige Anschlüsse ( DSL ) sollen mit neuen Produkten – zum Beispiel Spielfilme zum Herunterladen – die Erlöse wieder steigen lassen.

MOBILFUNK

Die neuen Multimediadienste über UMTS sollen der Mobilfunktochter T-Mobile zusätzliches Wachstum bringen.

GESCHÄFTSKUNDEN

Hier sieht die Telekom ein Wachstumsfeld , weil der Einsatz moderner Telekommunikations-- und Informationstechnik zur Rentabilitätssteigerung in den Unternehmen beitragen könnte.

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