Wirtschaft : Telekom will Einsteigern weniger Geld zahlen

Nils-Viktor Sorge

Bonn - Die Deutsche Telekom will die 50 000 Mitarbeiter der geplanten Service-Tochtergesellschaften mindestens 38 statt wie bisher 34 Stunden arbeiten lassen und Berufeinsteigern deutlich weniger Gehalt zahlen als bislang üblich. Nur so seien drastische Gehaltskürzungen für alle Mitarbeiter zu vermeiden, sagte Finanz- und Personalvorstand Karl-Gerhard Eick am Montag in Bonn. Im Gegenzug sei der Konzern bereit, den bis 2008 geltenden Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen um mindestens ein Jahr zu verlängern.

„Je besser es uns gelingt, die Mitarbeiter für Arbeitszeiten von 38, 39 oder 40 Stunden zu motivieren, desto weniger müssen wir das Thema Lohnsenkungen anfassen“, sagte Eick. Am heutigen Dienstag gehen die Verhandlungen mit der Gewerkschaft Verdi über die umstrittene Auslagerung der Callcenter- und Technikservice-Mitarbeiter in die nächste Runde. Statt 30 000 bis 34 000 Euro sollen junge Mitarbeiter nach Vorstellung des Konzerns künftig 20 000 Euro verdienen. „Bliebe es bei den derzeitigen hohen Einstiegsgehältern, könnten wir künftig niemanden mehr einstellen“, sagte Eick.

Die Telekom plant, zum 1. Juli bundesweit rund 50 000 der mehr als 160 000 inländischen Beschäftigten der Festnetzsparte T-Com und der Mobilfunktochter T-Mobile in drei Tochtergesellschaften auszulagern. Das Lohn- und Gehaltsniveau der Telekom sei nicht mehr wettbewerbsfähig, argumentiert der Konzern. Außerdem verspricht sich die Telekom davon, dass der Service mit der neuen Organisation besser wird. Gewerkschafter kritisieren die Pläne.

„Hier geht es weniger darum, den Service zu verbessern, als vielmehr die Löhne runterzuknüppeln“, sagte Verdi- Fachgruppensprecher Ado Wilhelm dem Tagesspiegel. „Wenn sich der Konzern in den nächsten zwei Tagen nicht auf uns zu bewegt, ist mit schnellen Aktionen zu rechnen.“ Die Gewerkschaft hat der Telekom bereits mit Streik gedroht. „Wenn ein Streik sein muss, muss er eben sein“, sagte Telekom-Vorstand Eick.

In Ostdeutschland formiert sich bereits der Widerstand gegen die Telekom-Pläne. In Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen seien mehr als 13 000 Tarifarbeitsplätze von „Lohndumping“ bedroht, kritisierte der dortige Verdi-Fachbereichsleiter, Hans- Joachim Fischer, in Magdeburg nach einem Treffen mit Telekom-Betriebsräten und Vertretern der Linkspartei. In Brandenburg und Berlin will der Konzern rund 6000 Stellen ausgliedern. Betroffen sein könnten die Standorte in der Potsdamer Behlertstraße, in Frankfurt/Oder und in Stahnsdorf. Außerdem stehen mehr als 100 kleinere Filialen in der Region zur Debatte, darunter Jüterbog, Wildau, Königs Wusterhausen, Strausberg und Biesenthal. Zwei von drei Mitarbeitern in der Region könnten nach Tagesspiegel-Informationen ausgelagert werden.

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