Wirtschaft : Telekom will mehr Geld von Konkurrenten

Corinna Visser

Berlin - Die Deutsche Telekom will die Preise für die Benutzung ihres Netzes neu festlegen lassen. Sollte sie ihre Pläne durchsetzen, könnte das auch höhere Preise für die Verbraucher bedeuten. Die Wettbewerber der Telekom sollen nämlich für den am meisten genutzten Tarif im Schnitt statt 0,5 Cent künftig 0,67 Cent pro Minute bezahlen, wenn sie mit dem Netz der Telekom zusammengeschaltet werden wollen. Der Konzern habe einen entsprechenden Antrag bei der Bundesnetzagentur gestellt, teilte T-Com, die Festnetztochter der Telekom, am Montag mit. Mit einer Entscheidung der Behörde rechnet T-Com bis Mitte April.

Die Telekom ist verpflichtet, ihr flächendeckendes Telefonnetz Wettbewerbern zur Verfügung stellen. Die Preise, die T-Com von Call-by-Call- oder Preselection-Anbietern für die Zusammenschaltung mit ihrem Netz verlangen kann, werden von der Bundesnetzagentur reguliert. Die Telekom kündigte nun an, ihre Tarifstruktur umzustellen. „Der Verkehr im klassischen Festnetz geht seit einiger Zeit zurück“, sagte Frank Schmidt, Leiter Regulierung bei T-Com, in Bonn. Er nannte drei Gründe: Immer mehr Menschen telefonieren mobil, gehen über breitbandige Anschlüsse (DSL) ins Internet oder wechseln komplett zu einem Telekom-Wettbewerber. Jeden Monat verliert T-Com 100 000 Anschlüsse an die Konkurrenz. „Die Zeit dauerhaft sinkender Kosten und steigender Mengen ist vorbei“, sagte Schmidt. „Die Preise für Telefonverbindungen haben eine kritische Marke erreicht.“

Die Wettbewerber gehen davon aus, „dass die Bundesnetzagentur so einen Unsinn nicht macht“ und keine Preiserhöhungen genehmige. Stattdessen verlangten die Wettbewerber eine Senkung aller Zusammenschaltungstarife um 30 Prozent, sagte Jürgen Grützner, Geschäftsführer des Verbandes der Telekom-Wettbewerber VATM, dem Tagesspiegel. Bei der Tarifberatung Teltarif heißt es: „Sollte der Antrag der Telekom durchgehen, wird Call-by-Call vor allem im Ortsnetz teurer.“ In dem wettbewerbsintensiven Markt sei eine komplette Weitergabe der Preiserhöhung an den Endkunden aber unwahrscheinlich.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben