Wirtschaft : Telekom will nur 35 Prozent der Anteile der an den regionalen Kabelgesellschaften verkaufen

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Mit großem Erstaunen haben die Kaufinteressenten für das deutsche TV-Kabelnetz jetzt erfahren, dass sich die Pläne der Deutschen Telekom in einem entscheidenden Punkt geändert haben: Nur noch 35 Prozent der Anteile an den neun regionalen Kabelgesellschaften will der Ex-Telekommunikations-Monopolist zunächst verkaufen. Dies hat das "Handelsblatt" aus dem Kreis der Bieter erfahren.

In dem seit dem Frühjahr laufenden Verkaufsprozess hatte die Telekom die neu gebildeten neun Regionalgesellschaften jeweils bis auf eine Sperrminorität von 25,1 Prozent zum Kauf angeboten. "Eine Minderheitsbeteiligung ist natürlich wesentlich weniger attraktiv als das bisherige Angebot", sagte einer der Bieter, der allerdings nicht genannt werden wollte. Denn die im Auftrag der Telekom verhandelnde Bank Rothschild hat alle Kaufinteressenten, die weiter an den Verhandlungen teilnehmen wollen, zu absolutem Stillschweigen verpflichtet.

Seit einer Woche können die Bieter genaue Daten einsehen. Es sind überwiegend Finanzinvestoren wie die Deutsche Bank-Tochter DB-Investor oder Kabelnetzbetreiber wie die US-britische UPC und der US-Investor Richard Callahan. Auch Microsoft interessiert sich für das Kabel, wie zu hören ist, jedoch nur für eine Beteiligung im einstelligen Prozentbereich, um seine Software zum Einsatz zu bringen. Nach Einsicht in die Unterlagen hat Telekom-Verhandlungsführer Franz Arnold jetzt in Gesprächen mit dem Management der Kaufinteressenten die neuen Verkaufsbedingungen mitgeteilt. Danach will die Telekom zunächst nur 35 Prozent der Kabelgesellschaften verkaufen, weitere 40 Prozent sollen Anteile ohne Stimmrecht sein, die den Plänen zufolge in den nächsten zwei Jahren an die Börse gebracht werden. Damit, so betont ein Telekom-Sprecher, werde der Telekom-Anteil wie von Anfang an beabsichtigt, auf 25 Prozent sinken. Die unternehmerische Führung soll der jeweilige 35 Prozent-Anteilseigner haben. Der Telekom komme es darauf an, einen hohen Ertrag aus dem Kabelverkauf zu erzielen. Bei einem Börsengang erwarte die Telekom Mehreinnahmen gegenüber einem direkten Verkauf. Die 35 Prozent seien dabei keine statische Größe: Bei einem entsprechenden Preis könne auch ein höherer Anteil verkauft werden. Das ist Wasser auf die Mühlen von Kritikern, die vermuten, dass die Telekom die Kontrolle über das Kabelnetz behalten möchte: Nach einem Ausbau können über diese Infrastruktur neben der Fernseh- Übertragung auch Internet- und Telefondienste angeboten werden - in Konkurrenz zum Telekom-Festnetz.

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