Wirtschaft : Telekommunikation: Die erste Herausforderung für Matthias Kurth

Der Streit zwischen der Deutschen Telekom und ihren Wettbewerbern über die Höhe des Mietpreises für den Teilnehmeranschluss wird für die Regulierungsbehörde für Telekommunikatikon und Post zu einem Drahtseilakt. Werde das Entgelt für die letzte Meile zu hoch festgelegt, würde die Deutsche Telekom einen ungerechtfertigten Gewinn erzielen, sagte der neue Präsident der Behörde, Matthias Kurth, am Montag auf der Online-Messe in Düsseldorf. Fiele er dagegen zu niedrig aus, würden Kosten des Ex-Monopolisten nicht gedeckt und Investitionen in alternative Anschlüsse der Wettbewerber entwertet.

Letzte Meile wird die Verbindung zwischen dem Verteiler der Telekom und dem Anschluss des Endkunden in seiner Wohnung genannt. Wollen Wettbewerber ebenso wie die Telekom Ortsnetzanschlüsse anbieten, sind sie darauf angewiesen, diese letzten Meter Kupferkabel von der Telekom zu mieten, wenn sie nicht selbst neue Kabel vergraben oder eine andere Anschlusstechnik - zum Beispiel Funk - nutzen wollen.

Gegenwärtig prüft die Regulierungsbehörde einen Antrag der Telekom, die Anschlussmiete von derzeit 25,40 Mark pro Monat auf 34 Mark zu erhöhen. Außerdem will die Telekom das einmalige Kündigungsentgelt auf 204 Mark praktisch verdoppeln. Die Telekom begründete Ende 2000 den Aufschlag mit Kostengründen. Bis Ende März will die Regulierungsbehörde eine Entscheidung fällen.

Nach Ansicht ihrer Konkurrenten will die Telekom mit den höheren Preisen ihre Monopolstellung festigen. Ein Wettbewerb im Ortsnetz sei unter diesen Bedingungen unmöglich, heißt es. Mannesmann Arcor hatte vor wenigen Wochen einen Preis von 15 Mark im Monat und eine Anschlussgebühr von 50 Mark als angemessen bezeichnet.

Der Streit ist die erste große Herausforderung für Regulierungschef Kurth (SPD), der den Posten erst Mitte Januar von seinem Vorgängen Klaus-Dieter Scheurle übernommen hatte. Erstmals legte sich der Behördenchef mit dem Vorstandschef der Telekom, Ron Sommer, an. So wies er dessen Kritik zurück, dass die Regulierungsbehörde für den Absturz der T-Aktie an den Börsen mit verantwortlich sei. Sommer hatte zuvor mehrfach behauptet, dass Kursverluste der T-Aktie im vergangenen Jahr mindestens in Höhe von 25 Prozent auf die Entscheidungen der Regulierungsbehörde zurückzuführen seien. "In der Rolle des Sündenbocks bin ich eine absolute Fehlbesetzung", sagte Kurth. Angesichts der vielen Faktoren, die einen Aktienkurs beeinflussen, sei es schon gewagt, einen Sonderfaktor mit einer derartigen Dominanz in den Vordergrund zu rücken. Kurth war wegen seiner politischen Nähe zur Bundesregierung im Vorfeld der Ernennung zum Präsidenten der Behörde ein zu freundlicher Umgang mit der Telekom unterstellt worden.

Den Ortsnetzbereich bezeichnete Kurth als einen der "Schwerpunkte der derzeitigen Regulierungspolitik". So liege der Anteil der Wettbewerber bei Ortsnetzanschlüssen bundesweit noch unter zwei Prozent. "Dies zeigt drastisch, in welchem Bereich die Dominanz des früheren Monopols noch ungebrochen ist", sagte er.

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