Telekommunikation : Ein Kontinent sucht Anschluss

In Afrika hat die Internetwirtschaft lange keine Rolle gespielt. Strikte Regulierungen und staatliche Telekommunikationskonzerne bestimmten die Preise. Nun verbinden neue Glasfaserkabel den Kontinent mit dem Internet.

Hadija Haruna

Nairobi - Albert Mondini hat den Duft von frittiertem Fleisch in der Nase, auf seiner Stirn steht Schweiß. Der Kenianer sitzt in einem Internetcafé, das sich die Räumlichkeiten mit einer Fast-Food- Kette teilt. Als Entschädigung für den fettigen Dunst ist der Kenianer mit einer Geschwindigkeit von 1,28 Terabytes pro Sekunde im Internet unterwegs. In seinem Stammcafé in Nairobi hat er die neuste und schnellste Verbindung, die man in Ostafrika bekommen kann. Internet in Echtzeit, ohne ständiges Nachladen oder Einfrieren des Bildschirms, wie man es bislang auf dem Kontinent kannte.

In Afrika hat die Internetwirtschaft lange keine Rolle gespielt. Strikte Regulierungen und staatliche Telekommunikationskonzerne bestimmten die Preise. Zudem war bislang nur die Küste Westafrikas mit einem einzigen Kabel mit Europa verbunden: dem vom südafrikanischen Staatskonzern Telkom kontrollierten SAT3/SAFE-Kabel. Die 7000 Kilometer lange Ostküste Afrikas hingegen war auf eine langsame Satellitenverbindung angewiesen.

Jetzt aber treibt der Kontinent seinen digitalen Anschluss an die weltweite Vernetzung voran. Branchenbeobachter sprechen von einer kommenden Internet-Revolution: In Ost- und Südafrika steckt die Hoffnung in drei zwischen 10 000 und 17 000 Kilometer langen Glasfaserkabeln. Sie sollen das östliche und südliche Afrika mit dem Rest der Welt verknüpfen und das weltweit höchste Kostenniveau in Sachen Internet auf ein wettbewerbsfähiges Maß herunterschrauben. Das Investitionsvolumen wird auf 2,4 Milliarden Dollar geschätzt.

Die Firma Seacom ist in Kenia im Juli mit ihrem ersten Kabel an den Start gegangen. Das Unternehmen befindet sich zu 75 Prozent im Besitz afrikanischer Investoren, die übrigen 25 Prozent hält Herakles Telecom. Zusätzlich sollen bis Mitte 2010 zwei weitere Kabel hinzukommen: Das „Eastern African Submarine Cable System“ (EASSy), das 2003 unter anderem von der Weltbank initiiert wurde. Und das „East African Marine System“ (TEAMS), das von der kenianischen Regierung gemeinsam mit den Arabischen Emiraten in Auftrag gegeben wurde. Für die afrikanische Westküste sind bis 2011 vier weitere Seekabel-Projekte in Planung.

Afrikanische Wirtschaftsvertreter rechnen mit einem neuen Gründerboom durch das Internet. Wie gut das Geschäft mit der Kommunikation läuft, zeigt sich im Handymarkt. Weltweit verzeichnet der Kontinent die höchste Mobiltelefonwachstumsrate. Fast jeder Kenianer besitzt ein Handy, mit dem er Wasser- und Stromrechnungen bezahlt oder seine Bankgeschäfte tätigt.

Humphrey Omondi Maoro betreibt seit 2000 das Internetcafé, in dem Mondini Kunde ist. Vor zwei Monaten ist er auf die Seacom-Verbindung umgestiegen, die er vom größten kenianischen Mobilfunkanbieter „Safaricom“ bezieht. Eine Stunde ins Netz zu gehen kostet bei ihm umgerechnet 60 Cent. Nach einigen Verhandlungen mit seinem Anbieter zahle er jetzt für das schnellere Netz zumindest „etwas weniger als vorher“, sagt er. Doch der Geschäftsmann weiß, dass es noch billiger ginge. Bereits mit der Einführung des Seacom-Kabels war in Kenia mit einer drastischen Preissenkung gerechnet worden, weil die Kosten für die kenianischen Internet Service Provider gesunken sind. So kostete vorher ein Megabit pro Sekunde zwischen 4000 bis 6000 Dollar, jetzt sind es noch maximal 600 Dollar. Im Vergleich: In europäischen Ländern müssen Nutzer im Schnitt lediglich 30 bis 40 Euro zahlen - für das Zehnfache des Datenvolumens.

Obwohl Provider wie Safaricom oder Access Kenia jetzt viel weniger zahlen, haben sie die Preise für die Endkunden kaum gesenkt. „Die nutzen jetzt ihre Monopolstellung aus und wollen Kasse machen“, sagt Maoro und hat damit in gewisser Weise recht. Der Geschäftsführer von Safaricom, Michael Joseph, kündigte eine Preissenkung erst in den nächsten drei bis vier Jahren an, wenn die Langzeitverträge mit den Satellitenbetreibern ausgelaufen seien und alle Kabel ihren Dienst aufgenommen hätten.

Für den Internetnutzer Albert Mondini sind zumindest jetzt schon einmal die Zeiten vorbei, in denen er von Internet-Café zu Internet-Café ziehen musste, „weil die wieder mal kein Netz hatten“. Jetzt kommt er dreimal die Woche in Maoros Laden, weil der als einer der Ersten auf das Kabel umgestellt habe. Ein kluger Schachzug. Denn in den letzten zwei Monaten ist die Zahl seiner Kunden rapide gestiegen. „Und sie bleiben länger im Internet als früher“, berichtet der Ladenbesitzer. „Ich habe ein gutes Geschäft gemacht und wenn erst einmal die anderen Kabel dazukommen, kann es nur noch besser werden.“

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