Telekommunikation : Freenet droht die Zerschlagung

United Internet und der Dienstleister Drillisch gründen ein Joint Venture, um den Konkurrenten Freenet übernehmen zu können. Am Ende des Prozesses könnte eine Neuordnung des DSL- und Handy-Marktes stehen.

Henrik Mortsiefer

Berlin - Der Internetkonzern United Internet (UI) und der Mobilfunkdienstleister Drillisch schließen sich für eine mögliche Übernahme des Rivalen Freenet zusammen. Dazu gründen der zweitgrößte deutsche Internetkonzern und Freenet- Hauptaktionär Drillisch ein Joint Venture zu je gleichen Teilen. Drillisch bringe dabei einen Freenet-Anteil einschließlich Kaufoptionen von 24,5 Prozent ein. United Internet beteiligt sich mit bis zu 151,3 Millionen Euro. Beide Unternehmen hielten sich die Option für eine Erhöhung der Freenet-Anteile oder eine vollständige Übernahme offen, hieß es in einer Mitteilung. Die Unternehmen waren am Wochenende für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Am Ende des Prozesses dürften eine Zerschlagung von Freenet und eine Neuordnung im deutschen DSL- und Handymarkt stehen. UI-Chef Ralph Dommermuth könnte sich mit 1,2 Millionen zusätzlicher DSL-Kunden von Freenet weiter von den Wettbewerbern Arcor und Hansenet absetzen und Marktführer T-Online schärfer angreifen. Als DSL-Wiederverkäufer, die über kein eigenes Netz verfügen, passen UI (1 & 1, GMX) und Freenet ohnehin gut zusammen. Beide kooperieren mit der spanischen Telefónica. Außerdem würde UI seine Stellung als größter Online-Werbevermarkter ausbauen.

Drillisch wiederum ist nach Debitel und Freenet drittgrößter Mobilfunkdienstleister ohne eigenes Netz in Deutschland. Zusammen mit den Freenet-Handykunden würde Drillisch auf Platz eins vorrücken und seine Überlebenschancen auf dem hart umkämpften Providermarkt verbessern. Im Geschäft mit schnellen DSL-Internetanschlüssen nimmt Freenet den fünften Rang ein.

United Internet und Drillisch bezeichneten die Beteiligung an dem neuen Gemeinschaftsunternehmen als strategische Positionierung. Drillisch macht sich seit längerem gemeinsam mit anderen Aktionären für eine Aufspaltung von Freenet stark, um von der Konsolidierung in der Branche zu profitieren. Neben Drillisch sorgten auch umtriebige Anteilseigner wie der Hedgefonds-Manager Florian Homm und die Fondsgesellschaft Hermes für Wirbel mit Forderungen nach einer Zerlegung. Freenet-Chef Eckhard Spoerr hatte den Widerstand zuletzt aufgegeben. Die Investmentbank Morgan Stanley sucht in Spoerrs Auftrag seit einigen Wochen einen Käufer für das Büdelsdorfer Unternehmen, um einer feindlichen Übernahme durch Drillisch zu entgehen. Eine Aufteilung stand dabei allerdings nicht zur Diskussion. Freenet stünde bei einer Zerschlagung nur wenige Monate nach der Verschmelzung mit der Mobilfunk-Tochter Mobilcom erneut vor einem Umbruch.

An der Börse wurde das Unternehmen zuletzt mit 1,7 Milliarden Euro bewertet. Für United Internet (Börsenwert: knapp 3,5 Milliarden Euro) würde eine Übernahme nicht nur ein finanzieller Kraftakt. Auch das Kartellamt könnte dem Konzern aus Montabaur einen Strich durch die Rechnung machen. Da UI bereits Marktführer im Geschäft mit der Verwaltung von Internetadressen (Webhosting) ist, würde die Übernahme der Freenet-Tochter Strato, in Deutschland Nummer zwei, auf kartellrechtliche Probleme stoßen. Freenet hatte Strato von der Berliner Teles AG gekauft. Henrik Mortsiefer

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