Telekommunikation : Jede zehnte Telefonzelle kommt weg

11.06.2008 00:00 Uhr
Telefonzelle Foto: dpa
Der Bedarf für Telefonzellen wird immer geringer. - Foto: dpa

Die Telekom plant den Abbau von 11.000 Telefonzellen. Dem Umsatz stehen wesentlich höhere Ausgaben für die Instandhaltung gegenüber.

BerlinEinst waren sie gelb. Dann wurden sie grau-magenta und immer weniger. Inzwischen haben viele Telefonzellen noch nicht mal mehr ein Dach. Jetzt droht den Häuschen der nächste Radikalschlag. Denn die Deutsche Telekom erwägt, jede zehnte von den rund 101 000 verbliebenen Zellen abzubauen, wie Ralph Sonnenschein vom Deutschen Städte- und Gemeindebund bestätigt.

Der Grund seien die Kosten, sagt der Telekommunikationsexperte. „Es gibt Telefonzellen, die weniger als 50 Euro Umsatz pro Monat einbringen.“ Dem ständen aber wesentlich höhere Ausgaben für die Instandhaltung gegenüber. Auch deshalb hätten die kommunalen Spitzenverbände den Plänen des Bonner Konzerns zugestimmt.

Aber erst, wenn die Telekom ein vollständiges Konzept vorlegt, dürfen die Zellen wirklich abgebaut werden. „Das könnte dann in den kommenden drei bis fünf Jahren erfolgen“, sagt Sonnenschein. Ein Telekom-Sprecher erklärte, die Zahl der Telefonzellen richte sich nach dem Bedarf und sei dadurch ständig im Fluss. „Wir bauen nur dort ab, wo keiner zum Telefonieren kommt.“

Der Abbau könnte also besonders ländliche Regionen treffen. „Aber bei 11 000 Telefonen, die zur Disposition stehen, wird Berlin sicher nicht ausgenommen“, sagt Marion Dinse, Sprecherin der Verbraucherzentrale Berlin. Für Verbraucher sei das eine schlechte Nachricht. „Hier geht ein Stück Grundversorgung verloren.“ Denn auch im Handyzeitalter sei es wichtig, im Notfall auf ein öffentliches Telefon zurückgreifen zu können.

Aber nicht nur das. Mit dem weiteren Abbau der magentafarbenen Häuschen geht auch ein Stück deutsche Kulturgeschichte verloren. Wer erinnert sich etwa nicht an die zerfledderten Telefonbücher in den alten, damals noch gelben Zellen? „Die Telefonzelle ist kein Modell, das Zukunft hat“, stellt Hans Joachim Wolff vom Telekommunikationsverband DVPT fest. Er glaubt, dass es reine Telefone bald nur noch an stark besuchten Orten, wie Flughäfen oder Bahnhöfen, geben wird. Allerdings: Laut Gesetz muss die Telekom „flächendeckend“ öffentliche Telefone bereitstellen. Wie viele es genau sein müssen, steht dort aber nicht. ysh

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