Telekommunikation : Lange Leitung beim DSL

Viele wollen die schellen Internetanschlüsse per DSL – doch die Telekom kommt nicht nach.

Frankfurt am Main - Die Bundesnetzagentur erhöht im Streit um einen zügigen Zugang zu schnellen Internetanschlüssen (DSL) den Druck auf die Deutsche Telekom. „Wir haben einen ersten Fragenkatalog an die Telekom verschickt. Die Antwort erwarten wir Anfang Januar“, sagte Matthias Kurth, Präsident der Bundesnetzagentur, bei der Vorlage des Tätigkeitsberichts in Bonn.

Hintergrund ist die boomende Nachfrage nach DSL-Anschlüssen. Wenn Wettbewerber der Telekom neue Kunden gewinnen, sind sie darauf angewiesen, dass die Telekom die Kundenanschlüsse umschaltet. Arcor, Telefónica (O2) oder die Kölner QSC hatten in den zurückliegenden Wochen vermehrt über eine zögerliche Bearbeitung ihrer Anträge berichtet. Die Folge: Wechselwillige Kunden müssen oft viele Wochen auf ihren neuen Anschluss warten. „Die Telekom schaltet nicht auf“, klagte etwa Arcor-Chef Harald Stöber. „Wir haben mittlerweile einen wesentlich größeren Rückstand als zu Zeiten des Streiks bei der Telekom.“

Zusammen mit Telefónica hat Arcor deshalb ein Missbrauchsverfahren beantragt. Im Rahmen dieses Verfahrens werde zu ermitteln sein, ob und inwieweit die Telekom die Bereitstellungskapazitäten erhöhen kann oder muss, sagte Kurth. Die Telekom muss gemäß den Auflagen des Regulierers den Wettbewerbern eine bestimmte Zahl von Anschlüssen bereitstellen, die diese vorher ordern müssen. Das Problem: Die Zahl der wechselwilligen Kunden ist nur schwer planbar.

Die Telekom wehrt sich deshalb gegen den Vorwurf der Verzögerung. Ein Sprecher verwies auf den jüngsten Quartalsbericht. Danach sei die Zahl der Anschlüsse eigener Kunden um etwa 30 Prozent gestiegen, die der Anschlüsse für Wettbewerber aber um 36 Prozent. „Die Bereitstellung von vereinbarten Kontingenten halten wir innerhalb von sieben Tagen ein“, sagte der Sprecher. „Wenn Konkurrenten aber deutlich mehr Anschlüsse buchen, als im Voraus vereinbart wurden, kann es zu Verzögerungen kommen.“

Behördenpräsident Kurth will künftig beide Seiten in die Pflicht nehmen. Die Netzagentur werde der Telekom demnächst einen neuen Standardvertrag für Kundenanschlüsse vorgeben. Die Einführung finanzieller Sanktionen soll Anreize schaffen, dass die Wettbewerber ihre Bestellungen besser planen und die Telekom die bestellten Mengen fristgerecht bereitstellt. Grundsätzlich, sagte Kurth, habe sich der Wettbewerb im deutschen Markt weiter gefestigt. Ein Wermutstropfen sei, dass noch ein Drittel aller Haushalte aus technischen Gründen den Anbieter nicht wechseln könne. Daher sei die Regulierung trotz der Wettbewerbsdynamik noch erforderlich. jkn (HB)/vis

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