Telekommunikation : Nokia macht Handys smarter

Der Handyhersteller Nokia kauft die Mobilfunk-Softwarefirma Symbian komplett. Eine offene Plattform soll entstehen.

Corinna Visser
Nokia
Nokia-Filiale in New York -Foto: Imago

BerlinDer finnische Handyhersteller Nokia reagiert auf die immer stärker werdende Konkurrenz im mobilen Internet. Der weltgrößte Handyproduzent kauft die britische Firma Symbian komplett – für 264 Millionen Euro. Bisher hatte Nokia 48 Prozent der Anteile. Symbian ist das mit Abstand am meisten genutzte Betriebssystem für Handys mit Computer-Funktionen, sogenannte Smartphones. Mit mehreren großen Partnern zusammen will Nokia das Betriebssystem künftig zu einer offenen Plattform ausbauen. Das heißt, eine Vielzahl von Entwicklern kann dann Anwendungen für mit Symbian ausgestattete Mobiltelefone bauen. Nokia bringt die Software dazu in eine Stiftung ein. Sie soll zusammen mit Konkurrenten wie Samsung oder LG sowie den Mobilfunk-Anbietern AT&T und Vodafone gegründet werden, wie Nokia am Dienstag mitteilte.

Die meisten Handys sind heute längst mehr als einfach nur mobile Telefone. Sie sind zu tragbaren Computern geworden. Man kann mit ihnen fotografieren, Musik hören, sich navigieren lassen und im Internet surfen. Zugleich steigt ebenfalls die Zahl der mobilen Anwendungen, die sich auch geschäftlich nutzen lassen, wie das Bearbeiten von E-Mails oder mobile Zugänge ins firmeneigene Netzwerk. Immer mehr Firmen rüsten ihre Mitarbeiter mit diesen tragbaren Computern aus. Der Markt für Smartphones ist hart umkämpft, da sowohl die Handyhersteller als auch die Computer- und Softwareunternehmen hier große Wachstumschancen sehen.

So ist inzwischen auch der Computerkonzern Apple in diesen Markt eingestiegen und brachte sein iPhone mit einer Version des hauseigenen Betriebssystems OS X auf den Markt. Der Softwarekonzern Microsoft ist mit Windows Mobile in dem Geschäft aktiv. Auch der E-Mail-Dienst Blackberry von Research In Motion (RIM) gewinnt immer mehr Kunden. Zum Jahreswechsel sollen zudem erste Geräte mit dem von Google initiierten offenen Betriebssystem Android erscheinen. An Android ist unter anderem die Mobilfunktochter T-Mobile der Telekom beteiligt. Derzeit ist Symbian OS mit einem Anteil von zwei Dritteln Marktführer bei Betriebssystemen für Smartphones. Allein im ersten Quartal des Jahres seien 18,5 Millionen Handys mit Symbian- Software verkauft worden, hieß es.

Die gemeinsame Softwareplattform, die Nokia schaffen will, soll den Mitgliedern der Stiftung kostenlos zur Verfügung stehen und weiterentwickelt werden können. „Durch diese Übernahme und die Einrichtung der Symbian Foundation wird die unbestritten attraktivste Plattform für mobile Innovationen entstehen“, sagte Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo. Unter dem Dach von Symbian hatten sich vor zehn Jahren führende Handyhersteller zusammengetan, um eine einheitliche, offene Betriebssystems-Plattform zu entwickeln. Inzwischen unterscheiden sich die von Nokia oder Sony Ericsson genutzten Systeme jedoch deutlich, weshalb Software-Hersteller ihre Anwendungen mit viel Aufwand immer stärker an die jeweiligen Plattformen anpassen müssen.

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