Wirtschaft : Telekommunikation: Ortsgespräche werden kaum billiger

Corinna Visser

Drei Jahre Liberalisierung auf dem Telekommunikationsmarkt und die Deutsche Telekom hat faktisch immer noch das Monopol in den Ortsnetzen. Sie beherrscht rund 95 Prozent des Marktes. Nur in einigen Städten treten regionale Wettbewerber gegen die Telekom an - in Berlin zum Beispiel Berlikomm. Auch Arcor und Mobilcom bieten in verschiedenen Ballungszentren alternative Telefonanschlüsse an - allesamt mit sehr mäßigem Erfolg. Mobilcom nennt nicht einmal die Zahl der Kunden, weil sie so gering ist.

Der Grund: Das Geschäft mit den Anschlussleitungen, mit den letzten Metern Kabel, die von den Verteilern bis in die Wohnungen reichen, ist deutlich schwieriger als das Geschäft mit den Fern- und Auslandsgesprächen. Bisher sind dafür hohe Investitionen notwendig. Und wenn die Wettbewerber der Telekom die Leitungen von dem Ex-Monopolisten mieten wollen, bittet der sie kräftig zur Kasse. So ist für die Wettbewerber kein Geschäft zu machen. Es wird Zeit, dass sich hier etwas tut.

Die Entscheidung der Regulierungsbehörde, dass die Telekom ihren Wettbewerbern Großkundenrabatte gewähren muss, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Die vorhandenen Leitungen müssen den Wettbewerbern zu vernünftigen Preisen zur Verfügung gestellt werden - auch solchen Konkurrenten, die nicht viel investieren, sondern nur pfiffige Produkte verkaufen wollen. Es ist zwar richtig, dass auf lange Sicht auch ein Wettbewerb in der Infrastruktur her muss. Aber es macht wirklich keinen Sinn, dass neben jeder Telekom-Leitung noch mehrere andere Leitungen in jedes Haus und in jede Wohnung führen, damit der Kunde die Wahl hat.

Es ist nicht zu erwarten, dass die Telekom bald freiwillig Angebote machen wird, die eine Vielzahl von Wettbewerbern im Ortsnetz auf den Plan rufen. Die Telekom wird sich weiter zieren und den Prozess so lange es geht hinauszögern. Es liegt also an der Regulierungsbehörde und an den Wettbewerbern, sie anzutreiben. Einen großen Preissturz im Ortsnetz darf der Kunde jedoch nicht erwarten. Dafür sind die Gewinnaussichten zu gering. Aber er wird künftig aus einem größeren Angebot wählen können.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben