Telekommunikation : Telekom verdient zwei Drittel weniger

In Griechenland und den USA läuft es mies für die Telekom. Smartphones und eine Entschädigung für ein geplatztes Übernahmegeschäft verbessern die Bilanz zumindest ein bisschen.

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Böse Miene zum bösen Spiel: Telekom-Chef René Obermann (l) und Finanzvorstand Timotheus Höttges (r) erklären die schlechte Bilanz 2011
Böse Miene zum bösen Spiel: Telekom-Chef René Obermann (l) und Finanzvorstand Timotheus Höttges (r) erklären die schlechte Bilanz...Foto: dpa

Berlin - Eigentlich sollten die Investitionen in ausländische Märkte für kräftiges Wachstum im Konzern sorgen. Doch nun bescheren die Töchter in Griechenland und den USA der Deutschen Telekom einen massiven Gewinneinbruch. Der Konzernüberschuss schrumpfte 2011 auf 557 Millionen Euro. Damit verdiente die Telekom nicht einmal mehr ein Drittel dessen, was noch im Jahr zuvor unterm Strich stand. Der Umsatz sank um sechs Prozent auf 58,7 Milliarden Euro. „Wir haben 2011 überall starken Gegenwind gespürt“, bilanzierte Vorstandschef René Obermann und fügte hinzu: „Und der wird in diesem Jahr nicht nachlassen.“ Gefordert seien daher Innovationskraft, Kostendisziplin und die Bereitschaft zu Veränderungen. Im Klartext heißt das: Die Telekom verschärft ein weiteres Mal ihre Sparanstrengungen.

Bereits bis Ende 2011 seien die Kosten um 4,5 Milliarden Euro gesunken, erklärte Obermann. Damit hat die Telekom ihr bisheriges Sparziel früher als geplant erreicht. Dem Spardiktat und dem Konzernumbau fielen 2011 erneut rund 10 000 Arbeitsplätze zum Opfer. Auch in diesem Jahr sollen allein in den Zentralbereichen noch einmal 1600 Stellen wegfallen. Ende des Jahres beschäftigte die Telekom weltweit noch 235 000 Mitarbeiter.

Bei den Aktionären – 32 Prozent der Anteile gehören dem Bund, 53 Prozent institutionellen und 15 Prozent privaten Anlegern – will die Telekom allerdings nicht sparen und schlägt erneut eine Dividende von 70 Cent pro Aktie vor. An der Börse kamen Obermanns Bilanz und Ausblick dennoch nicht gut an: Die T-Aktie verlor am Donnerstag zeitweise mehr als vier Prozent.

Dass die Telekom eine Dividende zahlen kann, liegt auch daran, dass sie sich auf dem deutschen Markt relativ gut geschlagen hat. Zwar sank auch hier der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 4,4 Prozent auf 24 Milliarden Euro. Grund dafür seien neben dem scharfen Wettbewerb auch Regulierungsentscheidungen gewesen, die zu Umsatzeinbußen im Mobilfunk geführt hätten. Dennoch hat die Telekom das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen bei 9,6 Milliarden Euro halten können.

Mehr als eine Million neue Vertragskunden konnte das Unternehmen 2011 im Mobilfunk gewinnen. Dabei stieg der Anteil von Smartphones am Geräteabsatz auf 62 Prozent. Im vierten Quartal verkaufte die Telekom allein das iPhone von Apple fast eine halbe Million Mal. Der Boom bei Smartphones wiederum führe zu einem ungebrochenen Wachstum im mobilen Datengeschäft. Im Gesamtjahr legten die Umsätze hier um 30 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro zu.

Insgesamt aber war vor allem das vierte Quartal für die Telekom unerfreulich. In Griechenland, dort hält der Konzern 40 Prozent an der ehemals staatlichen Telefongesellschaft OTE, würgt die Rezession den privaten Konsum ab. Zwar arbeitet OTE noch profitabel, aber der Umsatz schrumpft. In den USA hatte die Telekom sich eigentlich von ihrer Mobilfunktochter trennen wollen, doch die Wettbewerbsbehörden verhinderten den Verkauf an den Wettbewerber AT&T.

Als kleinster der landesweiten Anbieter sieht sich die Telekom aber im Nachteil. Tatsächlich laufen ihr in den USA immer mehr Kunden davon. Im Rahmen ihrer regelmäßigen Werthaltigkeitsüberprüfungen schrieb die Telekom daher für ihre Geschäfte in Südosteuropa und in den USA im vierten Quartal insgesamt rund 3,3 Milliarden Euro ab. Hätte die Telekom wegen der geplatzten Übernahme nicht 3,2 Milliarden Dollar Entschädigung von AT&T erhalten, wäre die Bilanz noch trauriger ausgefallen.

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