Wirtschaft : Telekommunikationsmarkt: Der Wettbewerb im Orts-Telefonnetz muss angekurbelt werden

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Die Wachstumsdynamik auf dem Telekommunikationsmarkt hat sich im vergangenen Jahr unvermindert fortgesetzt. Das war eine der guten Nachrichten, die der neue Präsident der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post, Matthias Kurth, am Dienstag in Bonn bei der Vorlage des Jahresberichts 2000 verkünden konnte. Die Preise auf dem Telekommunikationsmarkt sind weiter gefallen, die Zahl der Arbeitsplätze in dem Sektor ist gestiegen. Einzig im Bereich der Ortsnetze musste Kurth eine negative Bilanz ziehen: "Der eigentliche Flaschenhals bleibt leider das Ortsnetz mit seiner noch unzureichenden Wettbewerbsentwicklung", sagte Kurth. Deshalb erfordere dieser Sektor auch in Zukunft besondere Anstrengungen der Regulierungsbehörde.

"Für den Ortsnetzwettbewerb ist die Teilnehmeranschlussleitung ein entscheidender Faktor", sagte Kurth weiter. Über die Höhe des monatlichen Entgeltes für den direkten Leitungsanschluss muss die Behörde bis Ende März eine Entscheidung treffen. Die Telekom verlangt für die so genannte "letzte Meile" einen Preis von knapp 35 Mark (bisher: 25,40 Mark). Die Konkurrenten sehen hierin eine Behinderung von Wettbewerb im Ortsnetz. Die Regulierungsbehörde prüft derzeit den Telekom-Antrag.

Kurth forderte die Wettbewerber auf, wie die Telekom Unterlagen über Kosten einzureichen. Das könne zur Findung eines fairen Preismodells beitragen. Wie dieser Preis aussehen könnte, wollte Kurth zwar nicht sagen, aber er deutete schon einmal eine Richtung an: Wenn bis Ende vergangenen Jahres 95 Unternehmen mit der Telekom Verträge über die Teilnehmeranschlussleitung abgeschlossen hätten, könnte der alte Preis so unattraktiv nicht sein.

In den vergangenen drei Jahren hat der Telefonverkehr im deutschen Festnetz über 60 Prozent zugenommen, berichtete Kurth. Das Jahresverkehrsvolumen im Jahr 2000 veranschlagte er auf 290 Milliarden Minuten. 65 Milliarden Minuten seien dabei auf die Wettbewerber der Deutschen Telekom entfallen. Etwas mehr als 50 Prozent wickelte die private Konkurrenz davon im Bereich der Nah- und Ferngespräche ab und nur etwa vier Prozent im Ortsbereich. Für inländische Ferngespräche müsse der Verbraucher an Werktagen Anfang 2001 je nach Verkehrszeit bis zu 92 Prozent weniger zahlen, als noch Ende 1997 vor Beginn der Liberalisierung. Allein im vergangenen Jahr seien die Preise von Call-by-Call-Gesprächen noch einmal um bis zu 39 Prozent gefallen.

Die Zahl der Mobilfunkteilnehmer wuchs im Jahr 2000 um 105 Prozent auf 48,2 Millionen. Damit besaß zum Jahresende 59 Prozent der Einwohner des Landes ein Handy. "Gemessen an den absoluten Teilnehmerzahlen liegt Deutschland damit im europäischen Vergleich vor Italien und Großbritannien an der Spitze in Europa." Allerdings hatten zum Jahresende 2000 in Finnland, Norwegen, Schweden, Island und Österreich bereits mehr als 70 Prozent der Bevölkerung ein Mobiltelefon. Trotz zukünftig sinkender Zuwachsraten im deutschen Mobiltelefondienst könne man davon ausgehen, dass dieser Spitzenwert im laufenden Jahr auch hier zu Lande erreicht werde, sagte Kurth. "Im laufenden Jahr ist mit deutlich niedrigeren Zuwächsen zu rechnen, so dass die Teilnehmer-Entwicklung nun langsam einer Sättigungsgrenze zusrebt." Die dürfte bei 80 Prozent der Bevölkerung beziehungsweise einer Teilnehmerzahl von rund 65 Millionen entsprechen, sagte Kurth.

Entwicklungspotenzial sieht Kurth auch noch bei der Internetnutzung. Der Internetverkehr im Telefonfestnetz habe sich innerhalb des vergangenen Jahres verdreifacht. Zwar habe die Zahl der Nutzer im Jahr 2000 um 70 Prozent auf 24 Millionen zugenommen, bezogen auf die Einwohnerzahl rangiere Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern damit aber nicht unter den Ersten.

Die Zahl der Beschäftigten im Telekommunikationssektor ist zum Ende des Jahres 2000 auf 239 000 angestiegen. "Damit setzte sich die positive Entwicklung der Vorjahre fort", sagte Kurth. 61 000 Mitarbeiter waren bei den Wettbewerbern der Deutschen Telekom beschäftigt, 8000 mehr als im Vorjahr (plus 15 Prozent). "Die Wettbewerbsintensität des deutschen Telekommunikationsmarktes ist an der nach wie vor hohen Zahl von Anbietern abzulesen", sagte Kurth. Derzeit seien mehr als 1900 Anbieter registriert.

Weniger dynamisch hat sich der Wettbewerb auf dem Postmarkt entwickelt. Der deutsche Postmarkt hatte im Jahr 2000 ein Volumen von mehr als 42 Milliarden Mark - das sei knapp die Hälfte des Marktes für Telekommunikationsdienstleistungen, sagte Kurth. Rund zwei Drittel des Postmarktes sind für den Wettbewerb geöffnet. Das sind im Wesentlichen die Kurier-, Express- und Paketdienste, aber auch Teile des Briefmarktes. Trotzdem entfallen weiterhin knapp zwei Drittel der Umsätze auf die Deutsche Post AG. Der Umsatz im lizensierten Bereich habe im Jahr 2000 voraussichtlich 20 Milliarden Mark betragen. Die Deutsche Post halte hier trotz der Öffnung bestimmter Bereiche für den Wettbewerb einen Marktanteil von 98 Prozent.

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