Wirtschaft : Telekommunikationsmarkt: Orange geht mit 9,90 Euro an den Start

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Die Aktie der Mobilfunkgruppe Orange ist am Dienstag mit einer Erstnotiz von 9,90 Euro an der Pariser Börse gestartet. Zuvor hatte die Muttergesellschaft France Télécom mit ihrem Bankenkonsortium einen Emissionspreis von zehn Euro für institutionelle Investoren und von 9,50 Euro für Privatleute festgelegt.

Der Telefonkonzern wählte damit den unteren Rand der am vergangenen Mittwoch um zwei Euro reduzierten Preisspanne, nachdem noch am Montagmittag die Prognosen im Handel bei rund 10,50 Euro gelegen hatten. Doch am Abend waren die Graumarktkurse für die neue Aktie auf 9,60 Euro bis 9,89 Euro zurückgefallen. "Es tut natürlich weh, eine Perle in einer solchen Marktsituation zu platzieren", sagte France-Télécom-Chef Michel Bon. "Wir haben zwischendurch schon mal überlegt, ob wir den Rolls-Royce nicht lieber in der Garage lassen." France Télécom stand bei der Wahl des Termins für den Börsengang unter Zugzwang. Das Unternehmen muss Schulden beim britischen Mobilfunkkonzern Vodafone begleichen und bis zum 31. März eigene Aktien im Wert von sieben Milliarden Euro (rund 13,7 Milliarden Mark) von Vodafone zurückkaufen. Die Franzosen hatten Orange im Mai 2000 von Vodafone für 33,15 Milliarden Euro (knapp 65 Milliarden Mark) gekauft und sich davon den Durchbruch auf dem europäischen Mobilfunkmarkt versprochen. Insgesamt belief sich der Schuldenstand des France-Télécom-Konzerns Ende des vergangenen Jahres auf rund 60 Milliarden Euro.

Der Börsengang von Orange zeige deutlich die derzeitigen Schwierigkeiten auf dem Telekommunikationsmarkt, meinte ein Analyst. Für das Emissionsvolumen von 7,2 Milliarden Euro waren Order im Wert von 16,7 Milliarden Euro eingegangen, davon 15,1 Milliarden von Fonds, Versicherungen und Banken. Die Offerte war 2,6-fach überzeichnet. Drei Viertel der regulär angebotenen 633 Millionen Aktien - weitere 95 Millionen stehen in einer Platzierungsreserve bereit - wurden an Institutionen vergeben. Privatanleger wurden bis zu Zeichnungsorders von 675 Aktien voll bedient, darüber hinaus bis 8000 Stück nur zu 75 Prozent. France-Télécom-Aktionäre wurden bis 8000 Stück voll bedient.

Wie viel Geld France Télécom aus dem Börsengang der Mobilfunktochter erlösen wird, ist erst nach Abrechnung der Platzierungsreserve in den kommenden acht Wochen auszumachen. Die reguläre Emission brachte dem Konzern 6,3 Milliarden Euro ein, der "Greenshoe" kann weitere 0,9 Milliarden Euro erlösen. Das Geld ist laut Finanzchef Jean-Louis Vinciguerra schon verplant. "Bis zum 31. März 2001 müssen wir Vodafone Airtouch gut die Hälfte der France-Télécom-Aktien abnehmen, mit denen wir 2000 den Kauf der Orange finanziert haben." Diese 9,9 Prozent des Kapitals sind derzeit rund 13,5 Milliarden Euro wert. France Télécom hat dafür schon zwei Milliarden Euro an Vodafone gezahlt. Weitere sieben Milliarden Euro werden bis zum Stichtag fällig.

Doch haben Bon und Viciguerra ihre Schatztruhe auch mit 2,7 Milliarden Euro aus der Emission von in Orange-Aktien wandelbaren France-Télécom-Anleihen gefüllt. Hier kann der Greenshoe bis zu 400 Millionen Euro einbringen. Maximal könnte der Gesamterlös beider Emissionen sich auf 10,3 Milliarden Euro erhöhen. Vinciguerra kündigte an, die Mehrerlöse zum weiteren Rückkauf eigener Aktien von Vodafone oder zum Sculdenabbau zu verwenden.

Der Börsengang des zweitgrößten europäischen Mobilfunkanbieters gilt als Test für die Aufnahmefähigkeit der Aktienmärkte und weitere Mobilfunk-Emissionen in diesem Jahr. Nächster Kandidat für einen Börsengang ist voraussichtlich die Tochterfirma von British Telecom, BT Wireless. "Das Jahr des Schweigens" betitelten die Analysten von Salomon Smith Barney eine Telekom-Marktstudie. Danach sind in diesem Jahr auf dem europäischen Mobilfunkmarkt allenfalls 40 Millionen neue Abonnenten zu erwarten, gegenüber 82 Millionen im Vorjahr.

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