• Telekommunik@tion: Drahtlos surfen - Neue Mobilfunkstandards sollen künftig schnelle Internet-Verbindungen fürs Handy schaffen

Wirtschaft : Telekommunik@tion: Drahtlos surfen - Neue Mobilfunkstandards sollen künftig schnelle Internet-Verbindungen fürs Handy schaffen

Peter Dehn

Werden schon im Jahr 2002 mehr Menschen mobil im Internet sein als über den PC im Büro oder zu Hause? Sowohl den Marktforschern vom britischen Institut Datamonitor als auch den Analysten der Diebold-Tochter TIMElabs zufolge schon. Noch in diesem Sommer soll die Zahl der Mobiltelefonverträge in Deutschland die der Festnetzanschlüsse überschreiten. Die Nutzer mobiler Dienste schätzt Datamonitor im Jahr 2005 auf 69 Prozent der dann 270 Millionen europäischen Mobilfunkteilnehmer.

Folgerichtig ist ein Milliardenpoker entbrannt, bei dem es einzig um das Recht geht, ein UMTS-Netz zu betreiben. UMTS steht für Universal Mobile Telephone System, einen Standard, der ab 2002 eingeführt und für schnelle Internetverbindungen sogar in fahrenden Autos oder Bahnen sorgen soll. Auf der Tagesordnung steht dann nicht nur der schnelle Abruf von Internet-Seiten, sogar Videokonferenzen und Filmübertragungen werden möglich. Die maximale Übertragungsrate von bis zu zwei Megabyte pro Sekunde wird allerdings nur in langsam bewegten Fahrzeugen zu erreichen sein.

Schon heute in aller Munde ist "WAP". Der Begriff steht für das Wireless Application Protocol auf der Grundlage der heutigen GSM-Technik (Global System for Mobile Communication) für die D- und E-Netze. Da freilich schleichen die Daten mit nur 9600 Bits pro Sekunde durch die Luft, das reicht gerade für kurze Textbotschaften (SMS - Short Message Service) oder Faxe. Trotz dieser Beschränkung erfreut sich der drahtlose Zugang zu Nachrichten, Börsen- und Reiseinformationen bereits einiger Beliebtheit.

Unternehmen wie die Berliner space2go GmbH erweitern dieses Angebot. Firmenchef Christian Huthmacher meldet etwa 40 000 Kunden. Sie können per WAP-Handy den PC im Büro oder daheim quasi fernbedienen. "Der Zugriff auf Firmendatenbanken wird zunehmend entwickelt. "Ich bin sicher, dass sowohl für Vertriebs- als auch für reine Informations- und Kontrollaufgaben die Anbindung von WAP an Intranets stark zunehmen wird. Der große Vorteil ist, dass kein teurer Laptop anzuschaffen ist, die Endgeräte günstig sind und das Mobiltelefon ohnehin schon zur Ausstattung vieler Arbeitnehmer gehört", meint der Startup-Unternehmer, der die deutsche WAP-Szene in internationalen Gremien vertritt. Nach seiner Schätzung werden zum Jahresende bereits 3,5 Millionen der 30 Millionen Handy-Eigner WAP-fähige Geräte benutzen.

Junge Nutzer im Visier

Eine starke Mobilitätszielgruppe ist die Jugend. So stellt das Szenemagazin "030" der Firmengruppe "Zweite Hand" täglich 100 Event- und 500 Kinoinfos bereit. Damit diese nicht wirklich zahlungskräftige Klientel in den Genuss des WAP-Contents kommt, denkt man an eine Finanzierung durch Werbezeilen. Laut der Studie "Winning in mobile eMarkets" von TIMElabs repräsentieren Teenager, Studenten und junge Geschäftsleute um die 40 Prozent des Zielmarktes für das "mobile Commerce", das den e-Commerce ergänzen soll.

Auch ein Projekt des "Berliner Wegs in die Informationsgesellschaft" richtet sich auf ein Segment des Jugendmarktes: "Campus Mobil" heißt der von der Berliner Firma Condat AG entwickelte Dienst, der demnächst mit Studenten der Hochschule der Künste erprobt wird. Studienspezifisches - wie die Verfügbarkeit von Leihbüchern oder PC-Arbeitsplätzen - gehört ebenso zu den Leistungen wie Stadtinformationen, etwa der Berliner Kulturkalender.

Neben der Datenfähigkeit von WAP-Handys kommt dabei das engmaschige Netz der Funkzellen - allein T-Mobil unterhält in Deutschland 39 000 - zum Tragen. Ist das Handy eingeschaltet, "weiß" das Netz, wo der Nutzer sich befindet. Fragt man also nach der nächsten Tankstelle oder Apotheke, können präzise Angaben rund um den aktuellen Standort geliefert werden. Was freilich dem schnellen Kontakt zwischen Kommilitonen nutzt, macht aus dem Handybesitzer einen "gläsernen Bürger", dessen Aufenthaltsort jederzeit eingegrenzt werden kann.

Die Partner von "Campus Mobil", darunter T-Mobil und berlin.de, haben den nächsten Schritt schon im Plan: Dem WAP-Test soll der von GPRS-Geräten folgen. General Packet Radio Service integriert auf der Basis von GSM erstmals das Internet-Protokoll bei Bandbreiten von 40 Kilobits pro Sekunde, später soll das Tempo auf über 100 Kilobits pro Sekunde anziehen. T-Mobil will die Vermarktung im September starten. WAP, GPRS, UMTS - die drei verwandten Standards werden auf Jahre hinaus nebeneinander existieren und differenzierte Dienstleistungen ermöglichen.

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