Wirtschaft : Telekommunik@tion: Mit Unified Messaging können E-Mails und Faxe per Handy empfangen werden

Konrad Buck

Unified Messaging heißt zu deutsch "vereinigte Nachrichtendienste" und bezeichnet einen neuen Service, der Faxgerät und Anrufbeantworter bald überflüssig machen könnte. Schon für unter zehn Mark monatlich bieten neue Dienstleister deren Funktion - und eine Vielzahl weiterer Nutzungsmöglichkeiten - per Internet an.

Die dahinter steckende Software sorgt dafür, dass alle Nachrichtenformen wie Ansagen auf dem Anrufbeantworter, E-Mails, Faxe oder Handy-Kurzmitteilungen (SMS) in ein einheitliches Datenformat umgesetzt werden und dadurch beliebig austauschbar sind. So entsteht eine elektronische Nachrichtenzentrale, die alle möglichen Formen von Mitteilungen aufnimmt, speichert, weiterleitet oder zum Abruf vorhält. Unified Messaging-Dienste wie jfax, 3box oder mytomorrow beschäftigen "virtuelle Fräuleins vom Amt", die dafür sorgen, dass ihre Kunden immer auf dem neuesten Nachrichten-Stand sind.

Empfangen, Umwandeln, Weiterleiten - auf diesen drei Grundfunktionen beruht der Integrations-Service der Unified Messaging-Anbieter. Einziges Zugeständnis, das der Nutzer an die unbegrenzte Erreichbarkeit machen muss, ist die Akzeptanz einer zusätzlichen Telefonnummer und eines weiteren E-Mail-Accounts, über die der Diensteanbieter die Nachrichten empfangen kann.

Einheitliches Datenformat

Wer den Service der elektronischen Nachrichtenzentralen in Anspruch nehmen möchte, muss also zuvor die neuen Verbindungsdaten an seine Kommunikationspartner verteilen. Doch wie wird ein Fax zur E-Mail? Durch die Reduktion auf Bits und Bytes. Jedes Ursprungsgerät einer Nachricht sendet seine Inhalte in einer anderen Technik. Also muss der Unified Messaging Service alle Inputs auf ein einheitliches Datenformat umsetzen. Von dort aus erfolgt die Umwandlung in die Empfängerformate. Der Rest ist eine Frage der Organisation und der Funktionstiefe des Diensteanbieters.

Angenommen ein Nutzer möchte über den Eingang sämtlicher Faxe und E-Mails sofort per Short Message Service (SMS) auf seinem Handy informiert werden. Dazu wird das Fax über die entsprechende Nummer empfangen und mit einer speziellen Software für Schrifterkennung in eine Textdatei umgewandelt. Die meisten Unified-Messaging-Dienste arbeiten so, dass sie die Informationen über Absender, Eingangsdatum und Betreff, sowie die ersten drei bis vier Zeilen des Fax-Textes zusammentragen, in das Format für Mobilfunk-Kurznachrichten SMS übertragen und versenden.

Die empfangene E-Mail ist bereits in elektronischer Form angekommen und muss nur noch in die SMS-Ausgabemaske (Absender, Eingangsdatum, Betreff und Text) übertragen werden. Kurze Zeit später klingelt beim Nutzer der Empfangston für Kurznachrichten am Handy. Damit ist der Empfänger über die wichtigsten Details der Nachrichten informiert und kann sich deren genauen Wortlaut später über seine e-mail-Adresse ansehen. Dort nämlich sind alle eingegangenen Mitteilungen nochmals in voller Länge aufgelistet und abrufbar.

Anbieter wie 3box stellen darüber hinaus die Benachrichtigung per Pager oder mittels Sprachnachricht zur Verfügung. Dazu wird die zur Datei umgewandelte Nachricht mithilfe einer Spracherkennungssoftware komplett in eine menschliche Stimme "übersetzt" und kann dann anschließend per Telefon oder Handy abgespielt werden.

Unterwegs abhören

Eine weitere, aber technisch wesentlich weniger aufwendige Möglichkeit sind der Empfang und die Wiedergabe einfacher Sprachnachrichten. So kann ein Absender seinen Text auf der Unified-Messaging-Box wie auf einem Anrufbeantworter hinterlassen. Services wie jfax speichern diese Nachricht als WAV-Datei und stellen diese als simplen Anhang an die entsprechende Mitteilung in den Eingangskorb des Empfängers. Dieser kann beim nächsten Einloggen von unterwegs die WAV-Datei durch einfaches Anklicken abhören, vorausgesetzt, sein Laptop verfügt über einen Lautsprecher und eine Soundkarte.

Dem europäischen Markt für Unified Messaging steht nach Analysen der New Yorker Unternehmensberatung Frost & Sullivan ein enormes Wachstum bevor. Im Jahr 1999 auf 135 Millionen US-Dollar beziffert, sollen sich die Umsätze bis 2006 auf 18,1 Milliarden US-Dollar vervielfachen. Ian Rowlands, Research Analyst bei Frost & Sullivan, geht davon aus, dass ab Ende 2002 alle Mobilfunkbetreiber als Standard grundsätzlich Unified Messaging anbieten. Auch laut einer Studie des Londoner Marktforschungsunternehmens Ovum wächst der Europäische Markt für Messaging-Dienste rapide. Ovum schätzt dabei den Wert des gesamten Europäischen Messagingmarktes im Jahr 2003 auf 5,3 Milliarden ECU. Dieses Wachstum sei auf das steigende Bewusstsein der Europäischen Unternehmen und Verbraucher für die Vorteile des Messaging und der damit verbundenen Dienstleistungen zurückzuführen.

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