Telematik : Conti erwirbt Automobilelektronikgeschäft von Motorola

Der Autozulieferer Continental verstärkt sich mit der Automobilelektronik-Sparte des US-Konzerns Motorola und steigt damit groß in das Wachstumsfeld Telematik ein.

Hannover/Frankfurt/Main - Der Kaufpreis betrage rund eine Milliarde Dollar (830 Millionen Euro), teilte Conti am Montag in Hannover mit. «Dieser strategische Schritt wird unsere Position als Lieferant von Sicherheitssystemen für die Automobilindustrie stärken», sagte Conti-Vorstandschef Manfred Wennemer. Continental kündigte zudem an, auch an weiteren Zukäufen interessiert zu sein.

Der Erwerb der Motorola-Sparte sei für Conti ein «weiterer Meilenstein» auf dem eingeschlagenen Weg, die individuelle Mobilität sicherer und komfortabler zu machen, hieß es. Die Produktpalette werde um eine «hoch innovative Technologie» erweitert, nämlich der Telematik. Zu dieser Technik zählen zum Beispiel Systeme, welche die Kommunikation aus dem Auto mit anderen Netzwerken ermöglichen. Zudem kann die Sicherheit im Fahrzeug verbessert werden.

«Wir werden zu einem der weltweit führenden Großlieferanten für Telematik», sagte Wennemer in Frankfurt. «Wir kaufen zusätzliches Geschäft und zusätzliche Kunden.» Mit der Übernahme stärke Conti seine Marktposition in Nordamerika und Asien. Im Zuge der Übernahme werde es zu keinem größeren Abbau von Arbeitsplätzen kommen. Eine Jobgarantie gebe es aber nicht. Die übernommene Motorola-Sparte hat in Deutschland rund 200 Mitarbeiter, weltweit sind es 4500.

Der Vollzug des Erwerbs werde noch im ersten Halbjahr 2006 erwartet, hieß es. Die zuständigen Kartellbehörden müssten noch zustimmen. An der Börse stieg die Conti-Aktie um mehr als zwei Prozent. Händler und Analysten sprachen von einem guten Geschäft.

Continental hatte erst vor kurzem Zukäufe angekündigt. Für Akquisitionen könne der Konzern vier Milliarden Euro ausgeben, hatte Wennemer Ende Februar gesagt. Conti wolle in dem bereits voll entbrannten weltweiten Konsolidierungsprozess in der Branche zu den Gewinnern gehören.

Conti-Vorstandsmitglied Karl-Thomas Neumann sagte, das Unternehmen wolle in Asien - zum Beispiel in Japan oder China - weiter zukaufen, um die Kundenzahl zu erhöhen. Zudem werde im Sensortechnik-Bereich nach Akquisitionen Ausschau gehalten. Wennemer bekräftigte, für Conti seien Teile des insolventen US-Zulieferers Delphi interessant.

Motorola (Schaumburg/US-Bundesstaat Illinois), vor allem als Handyhersteller bekannt, erzielte mit seiner Automobilelektronik-Sparte 2005 einen Umsatz von knapp 1,6 Milliarden Dollar. Die wesentlichen Produktions- und Entwicklungsstandorte sind in den USA, Mexiko, Frankreich und China.

Die Sparte stellt elektronische Steuerungselemente für den Antriebsstrang, für die Fahrwerkskontrolle sowie für Komfortelemente her. Insbesondere entwickle und fertige Motorola in das Fahrzeug installierte Telematik-Produkte, hieß es. Diese ermöglichten die Kommunikation aus dem Auto mit anderen Netzwerken und würden für eine Reihe von neuartigen Sicherheits- und Komfortfunktionen - etwa Telekommunikation und Navigation - im Auto eingesetzt.

Conti-Vorstandsmitglied Neumann, zuständig für den Konzernbereich Automotive Systems, sagte: «Wir sehen ein großes Potenzial für dieses erweitere Technologiefeld, da die Automobilindustrie ihren Fokus auf mehr aktive Sicherheit verschiebt.» Zudem werde die Entwicklungskraft von Conti verstärkt. Die Automobilelektronik-Sparte von Motorola wird in den Konzernbereich Automotive Systems integriert. (tso/dpa)

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