Wirtschaft : Telematik eröffnet Milliarden-Markt

Branche erwartet deutliche Zuwachsraten / Weltkongreß Ende Oktober in Berlin

BERLIN (chi).Rund 200 Mrd.DM könnten im Jahr 2007 allein in Europa mit den sogenannten Telematik-Systemen, also intelligenten Verkehrsinformations- und -steuerungstechniken, umgesetzt werden.Die deutsche Industrie hat nach Ansicht von Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann gute Chancen, von diesem Markt zu profitieren, in der Bundesrepublik als verkehrsreiches Transitland könnten die Entwicklungen zudem schon frühzeitig zum Einsatz kommen."Wir wollen hier Pioniere sein", betonte der Minister am Dienstag in Berlin.Über den Stand der Technik können sich die Berliner demnächst informieren: Im Rahmen des 4.Weltkongreß für Telematik vom 21.-24.Oktober in Berlin werden in den Messehallen neuere Entwicklungen gezeigt.Die Ausstellung ist von 22.bis 24.Oktober auch für das Publikum geöffnet. "Telematik ist alles andere als nur eine technische Spielerei", wehrte sich Wissmann gegen Vorurteile."Wenn wir den Verkehr nicht bald besser managen, werden wir die ökologischen Probleme demnächst nicht mehr bewältigen." Im Güterverkehr auf der Straße seien 30 Prozent Leerfahrten, in den Innenstädten würde der Verkehr an Sonnabenden zu 40 Prozent durch Parkplatzsuchende belastet.Wissmann verwies zugleich auf die Entwicklungen der jüngsten Zeit: Auf den deutschen Autobahnen seien inzwischen 60 Verkehrsbeeinflussungsanlagen installiert, die mit variablen Geschwindigkeitsempfehlungen vor allem auf den hochbelasteten Strecken die Unfallzahlen um bis zu 50 Prozent verringert hätten.Die Bahn erprobt derzeit ihr computergesteuertes Zugleitsystem CIR-Elke (Computer Integrated Railroading), das eine enge Zugfolge und damit eine bessere Auslastung des Schienennetzes ermöglicht.Die Industrie, so Wissmann, habe diesen Markt längst im Blick.Hier seien die Entwicklungen schon schneller als die Vorgaben der Politik. Mittlerweile gibt es laut Wissmann innerhalb der Europäischen Union deutliche Anstrengungen, sich auf gemeinsame Standards zu einigen.Bestes Beispiel sei das auf der Internationalen Funkausstellung vorgestellte "Radio Daten System" (RDS), das Autofahrer über den Traffic Message Channel (TMC) digital und damit sehr schnell über Verkehrsbehinderungen auf der gerade befahrenen Strecke informiert.In Deutschland wird dies voraussichtlich 1998 bundesweit möglich sein, geplant ist aber auch, daß die Informationen in der vom Autofahrer gewünschten Sprache empfangen werden können.Die entsprechend ausgestatteten Autoradiogeräte, die nun auf den Markt kommen, kosten aber 800 DM und mehr. Auch in Berlin, wo 250 Unternehmen im Bereich Verkehrstechnik tätig sind, werden Entwicklungen getestet.So ist die Stadt am EU-Projekt "Capitals" zum Aufbau einer Verkehrsinformationszentrale beteiligt, testet mit den Konzernen Siemens und Daimler-Benz Verkehrs-Steuerungssysteme für das Auto und unterstützt den Aufbau des RDS-Systems.In Stolpe bauen Berlin und Brandenburg zudem gemeinsam eine Verkehrssteuerungszentrale, die Anfang 1998 in Betrieb gehen soll.Innerhalb Deutschlands sei Berlin "das größte Einsatz- und Bewährungsfeld für telematische Systeme", so Staatssekretär Ingo Schmitt. Übrigens: Wer die Ausstellung besichtigen möchte, kann sich auch um Gratis-Eintrittskarten bewerben bei der Ertico Exhibition Management in den Niederlanden, Fax: 0031-30-6622321.Man spreche dort auch Deutsch, melden die Organisatoren des Kongresses.

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