Wirtschaft : Telematik lenkt den Verkehr der Zukunft

4.Weltkongreß für Verkehrstelematik in Berlin BERLIN (mot).Einheitliche und grenzüberschreitende Informations- und Navigationssysteme werden nach Auffassung von Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann den Verkehr der Zukunft umweltverträglicher, effizienter und sicherer machen sowie verschiedene Verkehrsträger optimal vernetzen.Zur Eröffnung des 4.Weltkongresses für Verkehrstelematik sagte Wissmann am Dienstag in Berlin, dem drohenden Verkehrskollaps könne nur durch eine Kombination intelligenter Verkehrsleitsysteme mit einer ausgebauten Infrastruktur begegnet werden.Industrie und Politik seien aufgerufen, die Telematik, die schon heute weltweiter Innovationsmotor sei, international nutzbar zu machen.Für die europäischen und insbesondere die deutschen Technologien, Systemanbieter und Dienstleister eröffne die Telematik große Marktchancen.Wissmann zufolge schätzt die Industrie das Umsatzvolumen für Verkehrstelematik in Europa bis zum Jahr 2010 auf 150 bis 200 Mrd.DM.Ein großer Teil muß Wissmann zufolge von privaten Unternehmen finanziert werden.Entscheidend für die Funktionsfähigkeit der Systeme sei freilich ihre sogenannte Interoperabilität."Ich appelliere vor allem an die beteiligte Industrie, auch in Fragen der Standardisierung konstruktiv zusammenzuarbeiten", so der Verkehrsminister.Dem Staat falle lediglich die Aufgabe des "Impulsgebers und Koordinators" zu.Der Bund stelle in Deutschland in den nächsten Jahren rund vier Mrd.DM für Verkehrstelematik bereit.Optimistisch beurteilt Wissmann die schnelle Verbreitung von Telematik-Systemen: "Ich mache jede Wette, daß in 15 Jahren jeder Lkw und ein großer Teil der Pkw über ein Navigationssystem verfügt." EU-Verkehrskommissar Neil Kinnock und die schwedische Verkehrsministerin Ines Uusmann sprachen sich zum Auftakt des viertägigen Kongresses für ein einheitliches Telematik-System in Europa aus.Kinnock verwies in diesem Zusammenhang auf eine entsprechende Absichtserklärung der EU-Verkehrsminister und unterstrich, globalen Telematik-Standards müsse zu einem ähnlichen Durchbruch verholfen werden wie dem internationalen Standard im Mobilfunkbereich GSM.Eine "Zersplitterung" der Technologien müsse vermieden werden.Eine baldige Einigung erhofft Kinnock bei der Einführung eines europäischen Navigations-Satellitensystems.Ines Uusmann hob hervor, Telematik könne den Verkehr vor allem sicherer machen.45 000 Verkehrstote pro Jahr auf Europas Straßen seien auf Dauer nicht zu akzeptieren."Telematik ist kein Kinderspielzeug, sondern ein Werkzeug für mehr Effizienz, Sicherheit und Nachhaltigkeit im Verkehr", sagte die schwedische Verkehrsministerin.In den kommenden zwölf Monaten müssen die EU-Verkehrsminster in Abstimmung mit der Industrie klären, für welches Telematik-System sie sich entscheiden. Nach Ansicht von Hans-Olaf Henkel, Präsident des Bundsverbandes der Deutschen Industrie (BDI), haben deutsche Unternehmen weltweit "großartige Chancen als Vorreiter der Telematik" aufzutreten.Henkel warnte gleichwohl davor, die Telematik als Alternative zum Ausbau der Infrastruktur zu verstehen.Telematik-Systeme mit ihren Möglichkeiten der automatischen Gebührenerhebung dürften darüber hinaus nicht für "Verteuerungs- und Behinderungsstrategien" genutzt werden.Eine Absage erteilte der BDI-Präsident auch jedweder Form von Energiebesteuerung, entsprechende Pläne müßten endlich zu den Akten gelegt werden. An dem erstmals in Deutschland stattfindenden Telematik-Weltkongreß nehmen rund 4000 Delegierte und Fachbesucher aus aller Welt teil.In 650 Vorträgen und einer begleitenden Ausstellung mit 170 Teilnehmern aus 17 Ländern Europas, Asiens, den USA, Südafrika und Australien wird der aktuelle Stand der Telematik-Anwendung beleuchtet.Diskutiert und vorgestellt werden unter anderem Verkehrs- und Reiseinformationen, Systeme für den öffentlichen Verkehr, Fahrerunterstützungssysteme, elektronische Gebühren- und Navigationssysteme sowie Fracht- und Fuhrparkmanagement.

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