Wirtschaft : Teles AG: Berliner Technologiekonzern setzt auf E-Commerce und Breitbandtechnik

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Die Aktionäre des Berliner Technologiekonzern Teles AG, die mit Blick auf die Börsenhöchststände des Papiers bis zu 70 Prozent ihres Kapitals einbüßten, benutzten die Hauptversammlung der Firma am Dienstag, um ihrer Verärgerung Luft zu machen. Die Kritik galt vor allem dem achtköpfigen Vorstand, der es nicht verstanden habe, die Entwicklung am Markt besser einzuschätzen. Auch der neuen Struktur, mit der Teles sich von seinen klassischen Geschäftsfeldern - den Telekommunikationssystemen - weitgehend verabschieden will, begegnen die Aktionäre mit Skepsis.

Dennoch betonte Vorstandsvorsitzender Sigram Schindler, dass es zur Neuausrichtung des Unternehmens keine Alternative gebe. Die Schuld an den schleppenden Absätzen der vergangenen Jahre gab er der ausgebliebenen Deregulierung der Telekommunikationsmärkte in Europa. Die Teles-Hoffnungsträger sind jetzt E-Commerce in Form komplexer Domainverwaltung, Breitbandanwendungen im Internet sowie eine Internet-Akademie. Nur auf diesen Geschäftsfeldern sei auf Dauer Geld zu verdienen, sagte Schindler. Während Teles bei den Domains mit über einer Million Kunden und einem Umsatz von zuletzt 100 Millionen Mark bereits die Marktführerschaft für sich in Anspruch nimmt, soll auch mit der im Internet verkauften Ausbildungsplattform der Konzernertrag steigen.

Schindler setzt darauf, dass jährlich bis zu 10 000 Internet-Fachkräfte in Deutschland fehlen. Vertrieben werden die neuen Mehrwertdienste über die Hardwarekette Gravis, die von Teles übernommen wurde. Zusätzlich zur Umstrukturierung verordnete der Vorstand dem Konzern, der künftig als Holding mit fünf operativen Geschäftsbereichen firmiert, ein konsequentes Sparprogramm. Ziel der Teles AG ist es, alle Geschäftsfelder an die Börse zu bringen und den Konzernertrag vor Steuern auf mehr als 20 Prozent zu steigern. Schon im zweiten Quartal 2000, so Schindler, habe man die Gewinnschwelle früher als erwartet wieder erreicht. Insgesamt zeichne sich damit für das laufende Geschäftsjahr ein Nettoertrag von mindestens fünf Millionen Mark ab. Allein das zweite Halbjahr soll einen Nettogewinn von 6,3 Millionen Mark erbringen. Die Planziffer im Umsatz liegt für das laufende Jahr bei plus 60 Prozent oder 500 Millionen Mark.

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