Wirtschaft : Teles verkauft Geschäft mit Satelliten-DSL Schweizer Investor will 80 Prozent erwerben

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Berlin - Schnelle Internetanschlüsse über Satellit – die Idee klingt vielversprechend. Denn das Geschäft mit breitbandigen Netzanschlüssen (DSL) brummt. Aber es gibt – auch in Deutschland – Regionen, wo es sich für die großen Telefongesellschaften nicht lohnt, die Netze bis hin zum letzten Kunden für die schnellen Verbindungen auszubauen. Diese Gebiete versorgt man dann über Satellit. Sky-DSL heißt das entsprechende Produkt des Berliner Telekommunikationsausrüsters Teles. Doch Teles hatte damit kein Glück. „Weit mehr als 25 Millionen Euro haben wir in den vergangenen zehn Jahren mit dem Geschäft verloren“, sagt Teles-Vorstandschef Sigram Schindler. „Das Geschäft steht am Abgrund.“ Teles hat nicht genug Kunden gefunden. Jetzt ist Rettung in Sicht: Die Schweizer Beteiligungsgesellschaft Mountain Super Angel AG hat einen Kaufoptionsvertrag unterzeichnet. Ihr Ziel ist es, bis zum 28. Januar 80 Prozent des Sky-DSL-Geschäftes von Teles zu erwerben.

Bereits Ende September hatte der Vorstand mitgeteilt, dass die Teles AG ihre Geschäftstätigkeit im Bereich Sky-DSL zum Jahresende einstellen will. 50 Mitarbeiter arbeiten dort. „Wir hätten sie entlassen müssen“, sagt Schindler. Mit dem Finanzinvestor an Bord hofft Schindler nun, aus dem Geschäft doch noch etwas machen zu können. „Mountain Super Angel hat ganz andere Vertriebsmöglichkeiten“, sagt Schindler.

Bis Ende des Monats wollen die Schweizer nun prüfen, ob sie tatsächlich einsteigen. „Sky-DSL ergänzt unser bereits bestehendes Engagement im Bereich von Breitband-Internet“, erklärt Daniel Wenzel, Verwaltungsrat von Mountain Super Angel, das Interesse. In der Mountain-Gruppe gebe es bereits ein Unternehmen, das ländlichen Regionen in Deutschland mit Breitband-Internet ausstatte, allerdings mit einer anderen Funktechnik. „Sky-DSL legt nun die Basis für einen europäischen Roll-Out“, sagte Wenzel. Aber auch den Mittleren Osten hat das Unternehmen als Zielmarkt im Auge. Wenzel glaubt das Geschäft zum Erfolg führen zu können, weil das Unternehmen sich auf diese eine Sache konzentrieren und das Produkt besser positionieren und vermarkten will. Am Standort Berlin will Mountain festhalten. Berlin biete viele Vorteile, unter anderem qualifiziertes Personal, sagte Wenzel. Doch ob alle Mitarbeiter gehalten werden können, dazu könne er derzeit noch keine Aussage treffen. Auch zum Kaufpreis wollte er sich nicht äußern.

Teles will sich künftig auf das Kerngeschäft, die Netzausstattung für Telekommunikationsgesellschaften, konzentrieren. Zu den Kunden gehört zum Beispiel der Internet- und Telefonanbieter Freenet. Im dritten Quartal setzte Teles in dem Geschäft mit knapp 250 Mitarbeitern rund 5,5 Millionen Euro um, schreibt aber rote Zahlen. Doch an Geld mangelt es Teles nicht. Allein die 3,7 Prozent, die Teles an Freenet hält, sind mehr als 57 Millionen Euro wert. vis

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