Wirtschaft : Teles will "noch jede Menge Firmen kaufen"

BERLIN (hej).Das Berliner Hightech-Unternehmen Teles AG will seine Einkaufstour fortsetzen.Mit dem Kauf der irischen Amtek MMI Ltd.ist das Unternehmens-Shopping noch nicht beendet.Weitere Zukäufe dürften vor allem das europäische Ausland betreffen, sagte Vorstandsmitglied Stefan Jiranek dem Tagesspiegel.In Deutschland habe Teles die Akquisitionen dagegen weitgehend abgeschlossen.Hier wolle man bestenfalls noch ein Unternehmen erwerben, das im Servicebereich über ein flächendeckendes Netz für Infrastruktursysteme verfüge.

Die Teles AG gehört zu den Shooting-Stars in der Computerbranche.1983 gegründet, startete Teles zunächst mit ISDN-Karten und Telefonendgeräten.Der Telefonbereich ist heute weitehend bei der holländischen Tochter angesiedelt.Als weiteres Standbein entwickelte Teles Infrastruktursysteme und innovative ISDN-Produkte wie Vermittlungsanlagen für Netzdienste-Anbieter.Die Logistik für diesen Bereich soll künftig aus Berlin abgezogen und in Irland angesiedelt werden, betonte Jiranek.Dies soll aber keine Stellen am Unternehmenssitz in Berlin kosten.

Die Übernahme der Amtek MMI, einem kleinen Unternehmen mit 20 Mitarbeitern und einem Umsatz von rund drei Mill.DM in diesem Jahr, ist ein erster Schritt in diese Richtung.Für eine Produktion auf der Insel sprächen nicht nur steuerliche Gründe und die niedrigen Arbeitskosten, auch viele Zulieferfirmen, die jetzt bereits für Dell oder Compaq arbeiten, seien in Irland ansässig.Den Amtek-Kauf will Teles mit eigenen Aktien finanzieren.Die Amtek-Gesellschafter erhalten für ihre Anteile 10 000 Teles-Aktien, die aus einer Kapitalerhöhung ohne Bezugsrecht stammen.Die Papiere sind mit einer Veräußerungssperrfrist versehen.Amtek produziert derzeit hochwertige Industrie-PC-Systeme und die dazu gehörige Logistik.

Teles hat in den vergangenen Monaten bereits mit zahlreichen Übernahmen für Aufsehen gesorgt.Neben der Münchener RVS Datentechnik GmbH, die ISDN-Software an Dritte verkauft, hatten die Berliner auch die norwegische Vertriebsfirma BCS AS erworben und wollen nun ihren Vertrieb in Norwegen, Schweden und Finnland ausbauen.Nach dem Bahn-Consultant Herlog hatte Teles - erst vor zwei Wochen - auch die Strato AG gekauft, die zuvor noch als Börsenkandidat gehandelt worden war.

"Wir wollen noch jede Menge Firmen kaufen", betont Stefan Jiranek, im Teles-Vorstand für Akquisitionen und Fusionen zuständig.Im laufenden Jahr will Teles nach eigenen Angaben den Konzernerlös um rund 80 Prozent auf etwa 195 Mill.DM (1997: rund 107 Mill.DM) und den Nettogewinn um über 650 Prozent auf über 21 Mill.DM (1997: 2,8 Mill.DM) steigern.1999 soll der Konzernumsatz dann um weitere 70 Prozent auf etwa 340 Mill.DM wachsen, der Nettogewinn soll um 100 Prozent auf mindestens 42 Mill.DM zunehmen.

Vom Tisch sind jedoch - zumindest für das nächste Jahr - Pläne, an die US-Technologiebörse Nasdaq zu gehen.Der Grund: "Die Nasdaq performt nicht gut", sagt Jiranek.In Deutschland ist Teles seit Juli dieses Jahres im Neuen Markt notiert.Seit ihrer Emission hat die Aktie ihren Wert deutlich steigern können.Bereits 1996 hatte das Unternehmen mit einem Gang an die Nasdaq geliebäugelt, diesen Plan aber wieder begraben, als sich das ISDN-Geschäft in den USA nicht wie erhofft entwickelt hatte.Anschließend war vorübergehend ein Listing an der europäischen Easdaq im Gespräch, bis man sich letztlich für den Neuen Markt entschied.

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