Wirtschaft : Tequila-Effekt

Lateinamerika leiden unter dem sogenannten Tequila-Effekt: Dem hochfliegenden Börsen-Optimismus der schnell wachsenden Schwellenländern folgt allzubald der elende Katzenjammer - wie der Kater auf den Schnaps.Auslöser des ersten Tequila-Effekts war 1995 die Peso-Krise Mexikos, die allerdings die Weltwirtschaft an den Rand des Absturz führte.Die Aktienmärkte Argentiniens und Brasiliens absolvierten schon damals Kursstürze von bis zu 30 Prozent.

Als die eigentliche Ursache des Kursabschwungs galt unter Beobachtern aber schon damals die Verlagerung globaler Kapitalströme als Folge eines sich ändernden Zinsgefälles.1994 kamen in den meisten Lateinamerikanischen Staaten neue Regierungschefs ans Ruder.Stabilität und Wirtschaftsaufschwung schienen, mit Ausnahmen wie Venezuela, garantiert zu sein.Gerade Brasilien erschien attraktiv, da es gelang die galoppierende Hyperinflation 1993 in den Griff zu bekommen.Einzelne Sektoren der brasilianischen Wirtschaft wiesen zudem satte Wachstumsraten auf: Die Industrie legte im Jahresverlauf 1994 um gute sieben Prozent zu, die Dienstleistungen um vier Prozent, die landwirtschaftliche Erzeugung um 7,5 Prozen.Immer mehr Anleger sprangen auf den Zug auf, den der Vater des brasilianischen Wirtschaftswunders, Fernando Henrique Cardoso, in Gang gesetzt hatte.Auch Argentinies Finanzminister Domingo Cavallo gelang es, die Inflation durch rigorose Wirtschafts- und Währungsreform zu bändigen.Die Peso-Krise im folgenden Jahr setzte dem Optimismus ein jähes Ende - der Vertrauensverlust in die Stabilität der Region belastet den Finanzmarkt bis heute.Eine an Paranoia grenzende Überreaktion der Börsenteilnehmer und Kapitalflucht gelten seitdem vielen Beobachtern als charakteristisch für den Wertpapierhandel in Südamerika.

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