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Terror in Paris : Anleger sind verunsichert

Die Märkte reagieren auf die Anschläge in Paris: Aktien von Fluggesellschaften und Tourismuskonzernen verlieren, Papiere von Rüstungshersteller legen zu.

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In Frankfurt am Main sind die Kurse am Montag im Minus gestartet, aber später ins Plus gedreht.
In Frankfurt am Main sind die Kurse am Montag im Minus gestartet, aber später ins Plus gedreht.Foto: dpa

Die Terroranschläge in Paris sorgen bei Anlegern für Nervosität. An den großen Börsen Europas rutschten die Leitindizes am Montagmorgen erst deutlich ins Minus, erholten sich dann aber wieder etwas.

So startete der deutsche Aktienindex Dax mit einem Abschlag von gut einem Prozent in den Handel, bei Börsenschluss stand er leicht 0,1 Prozent im Plus bei 10.713 Punkte. Ähnlich sah es an der französischen Börse aus: Der Leitindex Cac 40 rutschte zunächst um 1,2 Prozent ab, notierte am Abend aber nur noch 0,1 Prozent tiefer.

Das zeigt: Auch wenn es für einzelne Aktienwerte stark nach unten ging, bleibt der große Börsencrash nach den Anschlägen von Paris aus. Diese rationale Reaktion der Anleger mag makaber klingen, hat aber einen Grund: Experten sind uneins darüber, ob und wenn ja welche Folgen die Attentate für die Wirtschaft in Europa haben werden.

Experten sind uneins über die Folgen für die Wirtschaft

So fürchtet Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) einen Rückschlag für die Konjunktur in Europa. Dem Tagesspiegel sagte er: „Die Anschläge könnten zu einem Vertrauensverlust von Unternehmen und Konsumenten führen, und damit die wirtschaftliche Erholung Europas abwürgen.“

Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank, glaubt das hingegen nicht – im Gegenteil. „Die Erfahrung zeigt, dass solche Terrorakte die konjunkturelle Entwicklung in den westlichen Volkswirtschaften nicht aus der Spur bringen“, sagte er. So sei zum Beispiel unmittelbar nach den Anschlägen in London 2005 der private Konsum genauso kräftig gestiegen wie im Schnitt der vier Vorquartale. Ähnlich sei das auch nach dem Anschlag auf einen Bahnhof in der spanischen Hauptstadt Madrid im Jahr 2004 gewesen.

Doch auch wenn Schmieding Recht behalten sollte und das Wirtschaftswachstum in Europa insgesamt nicht nennenswert zurückgehen wird: Einzelne Branchen leiden zumindest kurzfristig stark unter den Anschlägen – allen voran der Tourismussektor.

Tourismuskonzerne und Hersteller von Luxusgütern verlieren

„Anleger fürchten, dass die Attentate Auswirkungen auf den Tourismus haben und die Leute weniger reisen werden“, sagte ein Händler. Investoren trennten sich deshalb am Montag von den Aktien großer Reisekonzerne und Fluggesellschaften. So gaben die Papiere der Lufthansa trotz des Streikendes um 2,3 Prozent nach. Die Papiere von Air France-KLM notierten 4,9 Prozent im Minus. Die Aktien der Betreibergesellschaft des Eurotunnels zwischen Frankreich und Großbritannien sackten um 4,6 Prozent ab.

Größter Verlierer im Cac 40 waren die Papiere der französischen Hotelkette Accor, die um 4,5 Prozent nachgaben. Ein Hotel des Konzerns musste am Wochenende nach einem Bombenalarm kurz evakuiert werden – später erwies er sich als Fehlalarm. Auch die Aktien der Pauschalreisen-Anbieter Tui und Thomas Cook sowie der Kreuzfahrt-Veranstalter Carnival notierten zwischen 1,8 und 4,2 Prozent tiefer.

Weil Investoren fürchten, dass nun weniger Touristen nach Paris reisen und auch die Franzosen große Einkaufszentren meiden dürften, ist der Handel betroffen. Börsianer gehen davon aus, dass vor allem die Nachfrage nach Luxusgütern in Folge der Anschläge zurückgehen wird. Investoren trennten sich deshalb von den Aktien der Luxushersteller. So gaben die Papiere von Kering (Gucci, Brioni) und LVMH (Louis Vuitton, Bulgari) deutlich nach.

Der Goldpreis steigt

Während die Aktienkurse von Tourismuskonzernen und Luxusgüterherstellern fielen, legte der Goldpreis zeitweise zu. „Käufe der als sicherer Hafen geltenden Goldbestände haben den Preis nach den schrecklichen Ereignissen in Paris vom Wochenende angeschoben“, sagte Händler Sam Laughlin.  Gold gilt als Krisenwährung: Indem Investoren einen Teil ihres Geldes aus anderen Anlageformen abziehen und dafür Gold kaufen, sichern sie sich gegen einen Crash ab. Die Feinunze Gold verteuerte sich in der Spitze um 1,4 Prozent auf 1097 Dollar. Besonders viel ist das allerdings nicht – schließlich kommt der Goldpreis von einem sehr niedrigen Niveau: Im Sommer war er auf den tiefsten Stand seit fünf Jahren gefallen.

Die Aktien von Rüstungskonzernen legen zu

Deutlich stärker haben dagegen die Aktien von Konzernen zugelegt, die ihr Geld mit Sicherheitstechnik und Rüstung verdienen. So gewannen die Papiere von Rheinmetall zum Beispiel 4,8 Prozent. Nach den Ereignissen von Paris müsse mit einem stärkeren militärischen Einsatz im Nahen Osten gerechnet werden, sagte Aktienhändler Andreas Lipkow vom Vermögensverwalter Kliegel & Hafner.

Dies könne höhere staatliche Rüstungsbudgets bedeuten und damit Unternehmen wie Rheinmetall neue Aufträge bescheren. Ein verstärkter Militäreinsatz in Syrien könnte für einige Tage auch den Ölpreis nach oben treiben – und zwar trotz des Überangebots. Am Montag kostete Nordseeöl der Sorte Brent mit 44,99 Dollar je Barrel (159 Liter) zeitweise 1,2 Prozent mehr. In den vergangenen Monaten hatte der niedrige Ölpreis die Inflationsrate in Europa nach unten gedrückt: Im Oktober stiegen die Preise gerade einmal um 0,1 Prozent.

Japan rutscht wieder in die Rezession

Neben Frankreich haben Anleger am Montag nach Japan geblickt: Das Land ist im dritten Quartal in die Rezession zurückgerutscht. Zwischen Juli und September schrumpfte die dortige Wirtschaft um 0,2 Prozent und damit zum zweiten Mal in Folge. In Tokio gab der Nikkei daraufhin ein Prozent nach.

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